Berlin : Im „Golden Gate“ hat es sich ausgetanzt

Polizei geht gegen illegale Clubs vor: Nach einer Razzia Samstagnacht schloss die Polizei gleich zwei Lokale und stellte bei zwei weiteren Verstöße fest

Judith Jenner

Fehlende Schankerlaubnis, Verstöße gegen den Jugendschutz und das Gaststättengesetz: Die Polizei hatte am Sonnabend einiges zu beanstanden, als sie zwischen 21.30 und 3 Uhr bei einer Razzia sieben Diskotheken kontrollierte. Zwei Lokale wurden sofort geschlossen, bei zwei weiteren stellten die Beamten kleinere Mängel fest. Die „Gemüsekommissare“, wie die Gewerbepolizei intern genannt wird, kontrollieren gemeinsam mit dem Gewerbeamt und dem Bauamt regelmäßig bestehende Betriebe und hebeln illegale Partys aus. Geschlossen wurde das „Golden Gate“ an der Schickler Ecke Stralauer Straße in Mitte. Mit seinen Elektro-Partys hat es sich in der Szene einen Namen gemacht. Der Club wurde bereits mehrmals von der Polizei geschlossen. Im ebenfalls dichtgemachten „Münzclub“ im ersten Stock in der Münzstraße 23 fanden kürzlich noch Kunstveranstaltungen zum Designmai statt.

Berlins illegales Nachtleben hat bereits Tradition. Nach der Wende begannen Partymacher, leer stehende Gebäude für sich zu entdecken. In feuchten Kellergewölben stellen sie ein DJ-Pult und Boxen auf, zimmern aus morschen Brettern eine Bar und fertig ist der Club. Szenekenner schätzen, dass an einem Wochenende in Berlin etwa 30 illegale Partys steigen. Mit Flyern und E-Mail-Newsletter informiert man sich untereinander über Orte und Codewörter. Filmvorführungen in dunklen Katakomben, selbst gebastelte Minigolfparcours auf Hausdächern und Tischtennisplatten, an denen Rundlauf gespielt wird, sind nur einige originelle Ideen, die in den illegalen Clubs umgesetzt werden. Wirtschaftskrise und Leerstand schaffen Platz für immer neue temporäre Clubs.

Ehemalige Fabriken, Banken oder brasilianische Restaurants dienen als Veranstaltungsorte, manchmal nur für eine Nacht. Das Vereinsrecht bietet Schlupflöcher für die Feierfreudigen. Unter bestimmten Bedingungen können bei geschlossenen Veranstaltungen und in Galerien zum Beispiel legal Getränke verkauft werden.

„Allen Vorschriften des Bau- und Gewerberechts zu entsprechen ist für einen jungen Club sehr teuer“, sagt ein Partyveranstalter. Daher nutzen viele die Illegalität als „Testphase“. Einige entwickelten sich später zu legalen Diskotheken. So verdankt das WMF, heute einer der bekanntesten Berliner Elektro-Clubs, seinen Namen dem ehemaligen Sitz des Besteckherstellers an der Leipziger Straße, wo die ersten Partys stiegen. Viele Diskotheken bedienen sich heute bewusst des „illegalen Image“ und geben ihre Adresse nicht an die Öffentlichkeit. Wer illegal ist, ist in.

In der jüngsten Vergangenheit hat es einige Polizeiaktionen gegen illegale Clubs gegeben. Vor wenigen Wochen schloss die Polizei bereits das in einer ehemaligen Bank untergebrachte „Kapital“ an der Potsdamer Straße in Schöneberg und wenig später den Kellerclub „Strike“ gleich nebenan.

Greift die Polizei in letzter Zeit härter durch? „Nein“, sagt Polizeisprecher Bernhard Schodrowski. „Die Kollegen beobachten gemeinsam mit dem Bezirksamt ständig die Szene.“ Wenn viele junge Leute vor einem Gebäude herumstehen oder es Beschwerden von Nachbarn gibt, tauchen die Beamten auf und gucken sich den Laden aus der Nähe an.

Das Hauptaugenmerk der Polizisten und der Gewerbeaufsicht liegt allerdings auf angemeldeten Lokalen. Scheinbar banale Verstöße wie ein nicht aktuelles Jugendschutzgesetz hinterm Tresen können den Eigentümern Geldstrafen einbringen.

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