Berlin : Im Hagel der Fladenbrote

Was türkische Blätter über eine Provokation der BFC-Dynamo-Fans im Spiel gegen Yesilyurt schrieben

Suzan Gülfirat

GAZETELER RÜCKBLICK

Jeden Montag im Tagesspiegel: ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

„Gehässige Provokation durch Deutsche!“, titelte die Milliyet auf ihrer ersten Seite der Dienstagsausgabe. Auf der Titelseite der Europa-Beilage bekamen die Leser dann auch die Fotos zu dem Zwischenfall geliefert. „Weil die Deutschen die Niederlage nicht verdauen konnten, bewarfen sie die Türken mit Pide, um sie zu provozieren“, schrieb die Zeitung in den Unterzeilen. Im Pokalspiel SV Yesilyurt gegen den BFC Dynamo flogen etwa 50 Fladenbrote auf den Rasen des Sportforums Hohenschönhausen (wir berichteten). Trainer Bülent Gündogdu nahm das erst einmal mit Humor: „Leider haben wir die türkische Knoblauchwurst vergessen.“ Und Manager Gökmen Ilkyaz sagte: „Beim nächsten Mal gibt’s Köfte neben dem Fußballplatz!“ Ihre Mannschaft siegte schließlich mit 2:1 und steht jetzt im Finale des Berliner Pokals.

„Zuerst versuchten sie, die türkische Seite mit Kopftuchbildern zu provozieren. Das ganze Spiel über riefen sie rassistische Sprüche. (…) Dann warfen sie die Fladenbrote, um die Türken zu reizen, denen Brot heilig ist“, schrieb die Milliyet. In der Tat glauben die Moslems angesichts der Hungersnot in der Welt, dass es große Sünde ist, Brot wegzuwerfen. Aber es ist eher unwahrscheinlich, dass dies den Dynamofans bewusst war. Zu DDR-Zeiten haben sie ihre Gegner auch schon gerne mit Orangen beworfen.

Die Hürriyet berichtete am Freitag über den Fladenbrot-Fall. In der Zwischenzeit hatte sich der BFC Dynamo für seine Fans entschuldigt. Dennoch schrieb die Hürriyet in der Überschrift zu ihrem Aufmacher der Europa-Beilage: „Gegen Pide-Rassismus hagelt es weiterhin Kritik. Auch die Entschuldigung gestern vom Dynamo-Chef kann die Gemüter nicht beruhigen.“ Als Beweis zitierte die Zeitung diverse bekannte türkische Sportler. Ali Günseven, der Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft Antigewalt“ des Berliner Fußballverbandes ist, meinte: „Solche Verhaltensweisen treiben ein Keil zwischen Deutsche und Migranten.“ Mehmet Tonar vom „Türkischen Sportbegegnungszentrum“ sagte: „Sie haben Schimpfwörter gerufen, die ich nicht in den Mund nehmen möchte. (…) Wer wäre schuld gewesen, wenn die Yesilyurtleute nicht so besonnen reagiert hätten?Es soll endlich Schluss sein mit diesen Provokationen im Fußballstadion.“

Mal sehen, ob’s wirkt. Am 5. Mai wird SV Yesilyurt im Friedrich-Ludwig-Jahnsportpark gegen die Amateurmannschaft von Hertha BSC um den Pokal antreten.

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