Berlin : Im Internet spielte der Sextäter den netten René

Der Angeklagte soll als Haft-Freigänger vier Frauen vergewaltigt haben. Die Justiz musste jetzt Fehler eingestehen

Kerstin Gehrke

Einen besonderen Namen hatte er sich nicht ausgedacht. „Er stand mit zwei Fotos im Internet und unter René“, sagte die erste Zeugin. Die Medizinstudentin hatte René S. Anfang Januar 2001 kennen gelernt. Kurze Zeit später gab es ein Treffen im wirklichen Leben. Die Justiz hatte es dem verurteilten Sexualtäter möglich gemacht. Als Freigänger soll René S. die Studentin, zwei weitere Frauen und eine 15-Jährige vergewaltigt haben. Seit gestern muss er sich vor dem Landgericht verantworten.

Der 28-jährige Lackierer war im Juli 2000 wegen zweifacher Vergewaltigung zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Bis zum Strafantritt durfte er auf freiem Fuß bleiben. Der Angeklagte habe im Prozess Einsicht und Reue beweisen, hieß es damals in den Urteilsgründen. Er habe sich mit seinem Fehlverhalten auseinander gesetzt. Zwei Monate später trat er seine Strafe im offenen Vollzug in Hakenfelde an. Tagsüber durfte er seine Ausbildung fortsetzen, ab 23 Uhr musste er wieder in der Anstalt sein. Vier Monate später soll er die Medizinstudentin vergewaltigt haben, bis zum November 2001 drei weitere Opfer.

Sie habe sich mit René S. getroffen, um mit ihm eine Ausstellung zu besuchen, sagte die 21-jährige Studentin im Prozess. Er sei zunächst nicht zudringlich geworden. Obwohl sie Bedenken hatte, sei sie noch mit in seine Wohnung in Weißensee gegangen. Plötzlich sei er über sie hergefallen. „Ich schrie, kratzte, biss“, sagte die Zeugin. „Dann würgte er mich. Ich hörte auf, mich zu wehren.“ Sein Gesichtsausdruck sei „zwischen leicht weggetreten bis animalisch“ gewesen. „Ich dachte, dass ich da nicht mehr lebend rauskomme." Grinsend habe er ihr dann erklärt: „Ich bin halt manchmal ein bisschen frech.“

Die Medizinstudentin zeigte ihn zunächst nicht an. Aus Scham. „Und ich hatte nicht den Mut, ich wollte es vergessen.“ Doch die Bilder kamen immer wieder. „Seine Augen und sein Grinsen“, sagte die Zeugin. Im November 2001 las sie dann in der Zeitung von der Vergewaltigung eines 15-jährigen Mädchens aus Eberswalde. Der Täter: ein Freigänger aus Berlin, gelernter Lackierer, blond. Auch die Schülerin soll er beim Chatten im Internet kennen gelernt und sich dann per Mobiltelefon mit ihr verabredet haben.

Daraufhin ging die Studentin endlich zur Polizei. Wie zwei weitere Frauen, die René S. als Freigänger vergewaltigt haben soll.

Die Justiz räumte im Prozess Fehler ein. Die Anstalt habe „die bei dem Gefangenen bestehende Sexualproblematik falsch eingeschätzt“, hieß es. Die Hafterleichterungen für verurteilte Sexgangster wurden überprüft und verschärft. Für René S. strebt die Staatsanwaltschaft nun eine Sicherungsverwahrung an. Weil er ein gefährlicher Hangtäter sei. René S. hat sich bislang nur zum ersten Fall der Anklage geäußert. Und den Vorwurf bestritten. „Es war keine Vergewaltigung, es war eindeutig freiwillig“, sagte er.

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