Im Kampf gegen das Hochwasser in Sachsen : Zwischen Sonne und Espresso

200 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr aus Berlin sind in Sachsen im Einsatz und packen den Kampf gegen das Hochwasser an. Im Gespräch erklärt Einsatzleiter André Baumann wie die Helfer durchhalten.

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Freiwillige Helfer schichten Sandsäcke aufeinander - Zivilcourage in Sachsen
Freiwillige Helfer schichten Sandsäcke aufeinander - Zivilcourage in SachsenFoto: dpa

Im Kampf gegen das Hochwasser ist auch die Berliner Feuerwehr im Einsatz: Seit Dienstagmorgen sind 200 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr, geführt von Einsatzleitern der Berufsfeuerwehr, mit 40 Fahrzeugen in Sachsen im Einsatz. Bereits Montag waren 200 Helfer für 24 Stunden entsandt worden. Wir erreichten Einsatzleiter André Baumann am Telefon.

Herr Baumann, wo sind Sie an diesem Mittwochmittag?

Wir sind hier derzeit in Pegau, in Sachsen, und unterstützen hier die Kräfte bei den Abpumparbeiten. Der Pegel ist momentan gesunken. Aber bis wir endlich loslegen konnten, war es ein langer Weg.

Was war denn los?

Wir haben Dienstag den Marschbefehl bekommen und sind um vier Uhr früh per Kolonne mit 200 Helfern nach Nardt aufgebrochen, das liegt bei Hoyerswerda. Doch als unsere Leute dort ankamen, gab es nichts zu tun. Die Männer saßen mehr oder weniger in der Feuerwehrschule herum, wo wir untergekommen sind.

Hochwasser in Deutschland
Das Hochwasser geht, der Schaden bleibt. Wie hier auf der Bundesstraßee 188 bei Kabelitz (Sachsen-Anhalt).Weitere Bilder anzeigen
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27.06.2013 21:23Das Hochwasser geht, der Schaden bleibt. Wie hier auf der Bundesstraßee 188 bei Kabelitz (Sachsen-Anhalt).

Und was haben Sie da gemacht?

Wir haben den dortigen Stab stündlich gefragt, ob es etwas zu tun gibt. Verständlicherweise waren unsere Freiwilligen Feuerwehrleute sehr irritiert, dass sie nicht loslegen konnten, obwohl im Fernsehen die Katastrophenbilder zu sehen waren.

André Baumann, Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr in Sachsen, kennt einige Tricks, um sich wach zu halten.
André Baumann, Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr in Sachsen, kennt einige Tricks, um sich wach zu halten.Foto: privat

Und wie erklären Sie sich das?

Man hat bei solchen Großlagen immer eine „taktische Reserve“, die man bereithalten muss, wie es so schön heißt. Und diese waren wir zunächst einmal.

Das ist ja, als wenn man auf der Ersatzbank sitzt und nicht ins Spiel darf?

Ja, genauso haben die sich gefühlt. Aber dann kamen unser Feuerwehrchef Wilfried Gräfling und der Gesamteinsatzleiter, und die haben es den Leuten erklärt.

Aber das Warten hat sich gelohnt?

Ja, am späten Abend kam dann der Marschbefehl Richtung Pegau, wo wir seit dem Mittwochmorgen tätig sind. Die Hälfte der Leute haben wir aber schlafen gelegt … eben erfolgte der Wechsel. Am Abend kehren wir wieder zurück.

Was sagen denn die Arbeitgeber der Freiwilligen Feuerwehrleute?

Das Gesetz regelt, dass deshalb niemand gefeuert werden darf. Aber man darf solche Einsätze in den heutigen Zeiten auch nicht überstrapazieren – begeistert sind nicht alle.

Herr Baumann, wie halten Sie sich denn noch auf den Beinen?

Zweimal habe ich für 30 Minuten die Augen zugemacht. Ansonsten hilft ein wenig Sonne. Und Espresso.

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