Berlin : Im Klassenzimmer gegen Antisemitismus

Neues Projekt an Berliner Schulen: Jugendliche sollen bei Gleichaltrigen für Toleranz werben

Sigrid Kneist

Im Kampf gegen antisemitische Tendenzen bei Schülern geht die Bildungsverwaltung jetzt neue Wege. In einem bundesweiten Projekt, das gemeinsam mit dem Institut für Antisemitismusforschung der TU und dem American Jewish Committee organisiert wird, sollen jetzt Schüler in einem zweijährigen Training mit dem Thema vertraut gemacht werden, um anschließend ihr Wissen an Gleichaltrige weitergeben zu können. Das Konzept für „Youth Leader gegen Antisemitismus – Fit machen für Demokratie und Toleranz“ stammt aus den USA und basiert darauf, dass Jugendliche eher einen Zugang zu Gleichaltrigen finden und deswegen auch bei so einem Thema glaubwürdiger wirken können. „Die Schüler sollen lernen, sich zu engagieren und selbstbewusst aufzutreten“, sagte Bildungsstaatssekretär Thomas Härtel bei der Vorstellung des Projekts. Er wies daraufhin, dass die antisemitischen Vorfälle an den Schulen zunähmen, nicht nur von deutschen und arabischen, sondern verstärkt auch von türkischen Jugendlichen. Um dagegen vorzugehen, reiche es heutzutage „nicht mehr aus, junge Menschen ins Museum oder in KZ-Gedenkstätten zu schicken“, sagte Wolfgang Benz, Leiter des Instituts für Antisemitismusforschung.

In Berlin werden drei Gesamtschulen an dem Projekt teilnehmen: die Gutenberg-Schule in Lichtenberg, die Walter-Gropius-Schule in Neukölln und die Kurt-Tucholsky-Schule in Pankow. Hinzu kommen eine Schule aus Dresden und sieben Schulen aus Brandenburg. An jeder Einrichtung konnten sich Schüler für das Projekt bewerben. Ausgewählt wurden jeweils sechs bis acht Acht- oder Neuntklässler, die zwei Jahre lang ausgebildet werden: Sie werden geschult in jüdischer Geschichte, erfahren etwas über antisemitische Stereotypen und lernen, ihre Positionen zu artikulieren und zu präsentieren. In den ersten Monaten findet das Training wöchentlich statt – außerhalb des normalen Unterrichts. Außerdem sollen sich die „Youth Leaders“ untereinander kennen lernen und Netzwerke bilden. Deswegen sind monatliche Treffen aller Teilnehmer geplant. „Wir haben ganz normale Schüler, auch welche mit Migrationshintergrund ausgesucht“, sagt Michael Rump-Räuber vom Landesinstitut Schule und Medien (Lisum). Es sei wichtig, diesen Personenkreis für das Thema zu gewinnen.

Zur Unterstützung der Schüler bildet die Friedrich-Ebert-Stiftung 50 Pädagogen weiter. Zudem wird eine CD-Rom zum Thema erarbeitet. Die Kosten für das Gesamtprojekt in Höhe von 170 000 Euro tragen das Bundesfamilienministerium, das Bündnis für Demokratie und Toleranz, das Lisum sowie die Stiftung Erinnern, Verantwortung und Zukunft.

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