Berlin : Im Krankenwagen zur Schule

300 Ehemalige kamen zum Treffen der American High School und erinnerten sich

Daniela Martens

Unter einem Auto vor dem Flughafen lag eine Bombe. So hieß es zumindest, erinnert sich Diana Kempton. Sie und die anderen Absolventen der High School-Klasse von 1972 feierten da gerade Abiball im Flughafen Tempelhof und mussten in Abendrobe in einen Keller flüchten. „Wir hatten ein ganz normales Leben unter ungewöhnlichen Umständen“, sagte sie gestern, beim ersten Klassentreffen der Schüler der Berlin American High School im Alliierten-Museum. Dafür ist sie aus Arizona zum ersten Mal nach 33 Jahren nach Berlin zurückgekehrt.

Aus Anlass des Klassentreffens zeigt das Alliierten-Museum in der Clayallee eine Sonderausstellung zur Geschichte der Berlin American High School von 1946-1994. Rund 300 „Berlin Brats“ sind gestern zum Klassentreffen und zur Ausstellungseröffnung gekommen. So nennen sich die Kinder amerikanischer Soldaten, die zwischen 1946 und 1994 in Berlin zur High School gingen. Als vor 12 Jahren nach dem Abzug der Alliierten die letzten Schüler die American High School verließen, wurde daraus die Wilma-Rudolph-Oberschule in Zehlendorf.

Jean Crews Derry besuchte damals die letzte Abschlussfeier – 46 Jahre nachdem sie selbst ihr Schuldiplom in Berlin bekommen hatte. Jetzt ist die 72-Jährige zum zweiten Mal zurückgekehrt. Beim gestrigen Klassentreffen war sie eine der Ältesten und trug wie alle anderen das rostbraune T-Shirt der „Berlin Brats“. Die alte Dame mit den silbernen Löckchen erzählte davon, wie sie 1946 in einem Krankenwagen zur Schule gefahren wurde. Denn im zerstörten Berlin gab es keine Schulbusse.

Knapp 30 Jahre später war es mit dem Transport noch immer so eine Sache für die Schüler der American High School. Wenn Bill Planz und seine Basketballmannschaft „Berlin Cubs“ – kleine Bären – gegen amerikanische Schulmannschaften in Westdeutschland spielen wollten, fuhren sie mit dem besonderen Duty-Train mit einem besonderen Befehl, der „Flag Order“. Von dieser Zeit erzählt die Ausstellung: In einem der Schaukästen ist ein verblichenes Zeitungsfoto des brav seitengescheitelten Teenagers Planz zu sehen: Seine Mannschaft hatte ein Team aus Bad Kreuznach besiegt. Das war der Zeitung „Stars and Stripes einen Bericht“ wert. Hinter der Vitrine hängt sein Trikot.

Die Ausstellung ist bis zum 24. Oktober zu sehen, täglich außer mittwochs von 10 bis 18 Uhr, Clayallee 125, Zehlendorf.

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