• Im Lichthof fahren die Roboter herum - Morgen öffnet das neue Museum an der Leipziger Straße

Berlin : Im Lichthof fahren die Roboter herum - Morgen öffnet das neue Museum an der Leipziger Straße

Thomas Loy

Und noch ein Museum, das "erste im 21. Jahrhundert", sagt Museumskurator Hartwig Lüdtke. Doch bloß nicht wie ein Museum daherkommen, deshalb fahren die Roboter Komm-rein, Also-gut und Mach-mit im Lichthof des wilhelminischen Kolossalbaus an der Leipziger Straße spazieren und sprechen Fremde an. Der Mensch der Gegenwart kommuniziert halt am liebsten mit Maschinen. Mach-mit, eine Art Riesenstaubsauger aus den 50er Jahren, kann sogar Fußball spielen. Also-gut, eine Kaufmannswaage mit Bildschirm, gibt den Oberlehrer und penetriert die Besucher mit der Geschichte des neuen Museums für Kommunikation, ehemals Postmuseum der DDR, vormals Reichspostmuseum.

Heute wird das 1893 errichtete Haus nach vierjähriger Instandsetzung von Bundespräsident Johannes Rau und Telekom-Chef Ron Sommer festlich eröffnet. Morgen ab 11 Uhr darf sich dann der gemeine Berliner einen Überblick verschaffen. Zur Premiere fahren vier historische Postkutschen vor. Das ganze Wochenende über werden Rundfahrten mit einem alten Postbus zu historischen Postgebäuden der Stadt angeboten. Für Kinder gibt es Mitmach-Theater und Stempelaktionen. Das Museum ist an beiden Tagen von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist generell frei.

Rund 75 Millionen Mark haben die Träger der Museumsstiftung, die Unternehmen Post und Telekom, in die Renovierung des Gebäudes und die Dauerausstellung investiert. Im Erdgeschoss werden spielerisch und interaktiv Grundformen der Kommunikation vorgestellt. So vorbereitet, können die oberen Etagen entdeckt werden: die "Themengalerie" mit großen, multimedial konzipierten Vitrinen zu Phänomenen wie Tempo, Zeit, Massenmedien, Codierung et cetera. Eine kleine Computergalerie lädt zum Internet-Surfen ein.

Visuelle Hauptattraktion ist eine vollständig sezierte Postkutsche, deren Einzelteile an Bindfäden von der Decke hängen, wie ein anatomisches Modell oder die dreidimensionale Fortführung eines Dali-Gemäldes. "Mit der Geschwindigkeit lösen sich die Gegenstände auf", erklärt Museumsdirektor Joachim Kallinich zum künstlerischen Anspruch des Objekts, sagt aber auch, man habe das Publikum nicht mit einer schlichten Postkutsche langweilen wollen. Wo die Kutsche hängt, blickte einst ein versteinerter Kaiser Wilhelm II. streng auf seinen Generalpostdirektor Heinrich von Stephan herab.

So ganz ohne Sammeln und Bewahren kommt auch das Kommunikations-Museum nicht aus. In den "Sammlungssälen" sind alte Postkarten, Briefmarken, Briefkästen, Telegrafen und Telefone ausgestellt. In der dunkel verkleideten Schatzkammer im Keller finden sich zudem 17 wertvolle Einzelstücke, von der Roten und Blauen Mauritius bis zu angekohlten Briefen aus dem Wrack des 1937 abgestürzten Zeppelins Hindenburg.

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