Berlin : Im "Mojito" verkehrt eine Klientel, die vom Cuba-Urlaub träumt

Frank Jansen

Cuba in Berlin? Was da bislang gastronomisch zu erleben war, wirkte wie eine Fortsetzung der Mexiko-Manie: Aufgepepptes Arme-Leute-Essen, bunte Drinks, Sommer-Sonne-Strand-Folklore. Allerdings ist der aktuelle Cuba-Boom mehr als ein Abklatsch der ewigen Zapata-Fiesta: Von der Karibikinsel schwappt kein Billig-Bier herüber, sondern eine unübertreffliche Rum-Mix-Kultur, und die Rentner-Band "Buena Vista Social Club" hat passend zu dem in diesem Jahr meist schönen Sommerwetter kongeniale música geliefert. Also dürfte der Besuch eines Lokals namens "Mojito" im Super-Amüsierbezirk Mitte an einem milden Samstagabend wahre Lebensfreude-Explosionen auslösen. Zumal der "Buena Vista Social Club" schon von weitem zu vernehmen ist.

Nur kurz irritierten die großen gelben Sonnenschirme, auf denen draußen, vor dem Lokal im S-Bahnbogen am Monbijou-Park, für Franziskaner Hefeweizen geworben wird. Das Interieur entsprach dann dem Zeitgeistmix aus Hispanidad und Industrial Coolness. Betonwände, an denen eine uralte spanische Tür mit kleinem Gucklochgitter hängt, grelle Punktstrahler versus Kerzenlicht, helle Holzbanknischen und blutrot-gewischte Wandpartien, ein Feldsteintresen mit Marmorplattenauflage. Die Service-Damen schienen lateinamerikanischer Abstammung zu sein, beim Keeper wippten viele kleine dicke Rastazöpfchen auf dem Kopf. In der Karte werden die üblichen Latino-Snacks offeriert - und auf vier Seiten Cocktails. Adelante!

Der unvermeidliche Mai Tai schmeckte der compañera nicht, da der Alkoholanteil das erträgliche Maß doch ein klein wenig überstieg. Um so mehr mundete dem drinking man der Mojito, bestückt mit einem Wald aus Minzeblättchen. Leider stimmte beim Frozen Daiquiri nur die Konsistenz - das Tulpenglas war viel zu groß, das Aroma versäuert. Überraschenderweise hatte die compañera am Strawberry Daiquiri nichts auszusetzen (der drinking man würde so etwas natürlich nie trinken).

Aus den Boxen klang ". . . comandante Che Guevara!" Das Publikum wirkte weniger revolutionär, entsprach aber auch nicht der in Mitte manchmal anzutreffenden coolnut-nighthawk-Spezies. Im Mojito verkehrt eher eine Klientel, die von einem Cuba-Urlaub träumt - auf mitteleuropäischem Niveau, ohne sozialistischen Stromausfall, aber mit stündlicher Lebensfreude-Explosion. Aber dafür muss man das Mojito gar nicht verlassen.

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