Berlin : Im Namen des Doms

Die Gemeinde erinnert an erste Erwähnung als oberste Pfarrkirche vor 400 Jahren

Florian Höhne

Gerade mal drei Jahre ist es her, dass der Berliner Dom 100 Jahre alt wurde. Nun lädt die Gemeinde wieder zur Jubiläumsfeier. Diesmal geht es nicht ums Domgebäude, sondern um den Namen der Gemeinde. Denn die Domgemeinde ist viel älter als der Bau an der Spree, ihre Geschichte begann bereits im 15. Jahrhundert. Damals ernannte der Kurfürst von Brandenburg, Joachim Friedrich, sie zur „obersten Pfarrkirche allhier“. Der älteste Beleg dafür ist eine Urkunde vom 22. Mai 1608. Am Trinitatissonntag desselben Jahres wurde die frisch umgebaute Kirche eingeweiht, die damals auf der anderen Seite des Schlossplatzes stand.

Der jetzige Berliner Dom – nördlich des Platzes – ist schon die vierte Kirche der Gemeinde. 114 Meter erhebt sich die Kuppel übers Straßenniveau. Darin wird heute und morgen, am diesjährigen Trinitatiswochenende, das Jubiläum gefeiert werden, mit Ehrengästen, umfangreichem Programm und heute Abend mit Buffet für jedermann in den vier Domtürmen. Eingeladen ist „die gesamte Bevölkerung“, sagt die Vorsitzende des Leitungsgremiums der Oberpfarr- und Domkirche, Irmgard Schwaetzer. „Wir sind eine offene Kirche.“ Im Auftrag, der mit der Namensgebung 1608 verbunden war, sieht sie einen besonderen Anlass zu feiern: Nach dem Willen des Landesherrn Joachim Friedrich sollte die Domkirche Vorbild sein. Die Gottesdienste sollten besonders klar und ansprechend für die Gläubigen sein. „Das feiern wir gern, weil wir auch heute den Glauben verständlich machen wollen, auch für Glaubensferne und Zweifler.“ 500 bis 800 Menschen kommen nach Gemeindeangaben in die Sonntagsgottesdienste.

Zum Festprogramm wird neben Kirchenprominenz – wie dem Vorsitzenden des Ökumenischen Rates der Kirchen, Bischof Theodor Clemens, oder dem neuen Oberhirten der Berliner Protestanten, Ralf Meister. In Vertretung Wowereits kommt Bürgermeisterin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Schon vor vierhundert Jahren stand die Gemeinde übrigens in engem Kontakt zur Stadt. Der Landesherr ernannte die Kirche zur Oberpfarrkirche erst nach Absprache mit Bürgermeistern, Ratsherrn und Gemeinde. „Wir sehen uns auch heute der Nachbarschaft mit der Stadt verpflichtet“, sagt Schwaetzer, betont aber: „Wir sind keine Staatskirche, sondern eine Kirche.“ Die Gemeinde entscheidet, was im Dom geschieht. So wurde Johannes Rau dort betrauert und der Opfer des Tsunami gedacht. Florian Höhne

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