• Im Neubau eröffnet ein Hightech Kaufhaus und im alten Kaisersaal erhält Wilhelm II. wieder seinen Platz

Berlin : Im Neubau eröffnet ein Hightech Kaufhaus und im alten Kaisersaal erhält Wilhelm II. wieder seinen Platz

Lothar Heinke

Das Gelände unter dem futuristischen Dach von Sony am Potsdamer Platz belebt sich zusehends: Gestern Abend traf sich ein auserlesenes Publikum mit den europäischen und deutschen Spitzenmanagern des Konzerns zu einem Festakt im Imax-Kino anlässlich der Eröffnung des "Sony Style Store". Am heutigen Sonnabend ab zehn Uhr ist Sonys viertes Flaggschiff-Kaufhaus (nach New York, San Franzisco und Sydney) für jedermann geöffnet. Nach Kinos, einer Entertainment-Etage, zwei Cafés und dem vielbesuchten Traunsteiner Hofbräuhaus dürfte Europas erstes Sony-Kaufhaus zu einem weiteren Magneten auf dem Potsdamer Platz werden. "Im Zentrum der pulsierenden Weltstadt hat Sony die Herausforderung angenommen, die faszinierende Welt des Entertainments für jedermann aktiv erlebbar zu machen: Der Sony Style Store ist eine Erlebnis- und Kommunikationsplattform, die die Marke Sony lebendig werden lässt", sagt Marion Eisenblätter von Sony Deutschland.

Was wird auf einer Verkaufsfläche von 1300 Quadratmetern in vier Etagen - links vom Eingang zu den Cinestar-Kinos - geboten? Die komplette Palette von Sony mit zukunftsweisenden Technologien und Produkten aus den Bereichen Unterhaltungselektronik und Entertainment. "Der Style Store ist für mich das Herz des Sony-Centers, denn nur hier erlebt man all das, was unsere Marke ausmacht - Hightech und High Touch", umschreibt der Chef der Geschäftsführung von Sony Deutschland, Leo Benengl, die Philosophie des Kaufhauses, das seine Waren hinter einer kompletten, durchgehenden Fassade aus Glas präsentiert. Neben der Hardware ist auch der gesamte Software-Bereich durch Sony Music, Sony Picture Entertainment und Sony Computer Entertainment vertreten.

Wer das mit moderner Technik vollgestopfte Glashaus betritt, kann sich im Erdgeschoss über die Neuheiten aus den Software-Bereichen informieren. In einem Shop werden Sony-Fan-Artikel vom T-Shirt bis zum Rucksack verkauft; als Ableger des Café Einstein lädt eine Espressobar ein. Das erste Geschoss ist dem Hören gewidmet: Sony zeigt alles, was sein Audio-Bereich zu bieten hat. Eine Etage höher gibt es etwas zum Sehen. "TV-Inseln" laden Cineasten zum Gucken ein. Und das obere Geschoss ist mit seiner "Play-Station" den Spielern unter den Besuchern des Kaufhauses vorbehalten. Marion Eisenblätter sagt, auch von seiner technischen Ausstattung sei das Kaufhaus "einzigartig": In die Klimatisierung ist eine Fußbodenkühlung integriert. "Aufgrund der umfangreichen Elektroinstallationen besteht ein erhöhter Kühlbedarf von ungefähr 140 Watt pro Quadratmeter - in einem normalen Büro sind dies ungefähr 50 Watt". Schließlich kann die Hightech-Verkabelung aller Geräte auf den vier Etagen mit einem Superlativ aufwarten: die "Netzschlange" ist ungefähr 230 Kilometer lang...

Lifestyle, "Clean chic" und "trendy Materialwahl" der "Cyber-Generation" - wie es uns Kunden die Public-Relations-Spezialisten von Sony für ihr neues Kind verheißen - sind aber nur ein Teilstück unter dem schrägen Hut am Potsdamer Platz. Auch dort ziehen sich Gegensätze an. Bekanntlich wurde vor Jahren mit großem Aufwand ein Teil des Hotels "Esplanade" regelrecht verschoben, um für das gläserne Hochhaus des Architekten Helmut Jahn Platz zu schaffen. Sony läßt sich die Wiedererweckung des Kaisersaals als Edel-Restaurant einiges kosten; das komplette Ensemble des Hotels von 1908 wird ja in ein Wohnhaus integriert, aber in einem Teil, dem "Roten Salon", begab sich gerade Merkwürdiges: Inmitten der modernen Bauten, zwischen Glas, Beton und Stahl, hielt Kaiser Wilhelm Zwo Einzug. Überlebensgroß. In Öl und Herrscherpose.

Die Geschichte dazu: Als der Kaisersaal vor vier Jahren für seine luftgepolsterte Verschiebung um 75 Meter präpariert wurde, fand man hinter einem Spiegel über dem Kamin ein stark lädiertes, fast drei Meter hohes Kaiser-Wilhelm-Bild des Porträtmalers Frick. Das Bild war direkt auf die Wand geklebt und nur sehr schwer abzulösen. Pilz- und Schimmelbefall taten ein Übriges. Man kam, mit dem Segen der Denkmalpfleger, auf die Idee, das Bild zu restaurieren. Nun ist es fertig geworden und nimmt seinen alten Platz ein - wenn schon alt und traditionell, dann ganz und richtig: Kaiser Wilhelm II. (1859 - 1941) mit dem Es-ist-erreicht-Bart ist also künftig (genauer: ab Ende des Jahres) stets zugegen, wenn neue reiche Herrenrunden in den Edelrestaurants des "Esplanade", zwischen Palmenhof und Silbersaal, über Globalisierung reden, Börsenkurse, Klatsch und andere Neuigkeiten austauschen. Vielleicht erinnert der Kaiser Wilhelm auch ein wenig an einstigen Glanz und Gloria am Potsdamer Platz: Die Vergangenheit ist tot, es lebe die Gegenwart und Zukunft! Sony ist - wie gegenüber DaimlerChrysler mit seinen mannigfachen Attraktionen rund um die Arkaden und dem erst jüngst eröffneten Aussichtspunkt, mit dem Daimler seine Bautätigkeit am Platz beendete - auf dem besten Wege, dem "Potsdamer" eine ganz neue Art von Glamour und Leben zurückzugeben - sehr modern, trendy gewissermaßen.

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