Berlin : Im "Neuen Hain" an den Strand - Areal wird erweitert

Johannes Metzler

Nach dem Abriss des Friesenstadions entsteht eine Park- und SportanlageJohannes Metzler

Bauzäune sperren das Gebiet großräumig ab, zu sehen sind einige frisch gepflanzte Bäume neben Baufahrzeugen. Die Arbeiten auf dem "Neuen Hain", der Verlängerung des Volksparks Friedrichshain, sind bereits in vollem Gange. An das einstige Friesenstadion zwischen Landsberger Allee, Danziger Straße und Margarete-Sommer-Straße, das bereits 1998 wegen seiner maroden Bausubstanz geschlossen wurde, wird hier bald nichts mehr erinnern. Stattdessen soll das Gebiet bald wieder seine ursprüngliche Funktion zurück erhalten - vor dem Bau des Schwimmstadions war die Fläche ein reizvoller Park.

Als vor fünfzig Jahren auf den Grünflächen des Neuen Hains die Sportanlage mitsamt Verwaltungsgebäuden entstand, wurden Teile des Parks zu grauen Betonflächen. Matthias Peckskamp, stellvertretender Leiter des Stadtplanungsamtes, will jetzt an die ursprüngliche Nutzung anknüpfen. So befand sich seit 1874 im Neuen Hain ein ovaler Spazierweg, das so genannte "Hippodrom", angrenzend standen Spielflächen mit pädagogischer Betreuung zur Verfügung. "Das war damals bahnbrechend", sagt Peckskamp.

Zukünftig sollen auf dem zehn Meter breiten Weg nicht nur Spaziergänger flanieren: Auf einer abgetrennten Spur werden Skateboarder und Inline-Skater ihre Runden drehen. Nachts wird der Weg mit Bodenleuchten "schlaglichtartig beleuchtet sein - das sieht dann aus wie ein Lichtband", sagt Peckskamp. Tagsüber stehen den Besuchern auf den Grünflächen ein Spielplatz, ein Sandsee und ein Kletterberg zur Verfügung, und ein "Service-Point" des zukünftigen Betreibers wird Bälle und Spielgerät verleihen.

Im Zentrum des neuen Hains befindet sich eine etwas tiefer liegende Fläche - hier wird ein Beachvolleyball-Platz entstehen, angrenzende Rasenflächen können von Vereinen gemietet werden. Kernstück des Betreiberkonzepts ist aber eine nahe gelegene, an ein Zelt erinnernde Mehrzweckhalle mit breiter Glasfront und benachbarter Half-Pipe-Anlage. Die Halle kann flexibel unterteilt werden und steht mit einer Kapazität von etwa 3000 Personen auch für Konzerte zur Verfügung.

Ganz umsonst sind all diese Angebote jedoch nicht. Nach Angaben der Betreiberfirma "Multi Sports GmbH", die in Köln bereits zwei ähnliche Anlagen unterhält, wird beispielsweise eine Stunde Beachvolleyball zwischen 15 und 30 Mark Platzmiete kosten - so sollen die über 200 000 Mark, die die Firma in Ausstattung und Geräte investiert, wieder hereinkommen. Insgesamt kostet die Umgestaltung des Parkareals knapp elf Millionen Mark, die größtenteils aus Fördertöpfen der EU und des Bundes stammen.

Schon zum Sommer des kommenden Jahres soll der Park vollständig umgestaltet sein. Baustadträtin Martina Albinus-Kloss glaubt, dass das vielseitige Angebot, das sie "weltweit platzieren" möchte, gemeinsam mit dem nahe gelegenen SEZ sogar jugendliche Touristen anlocken könnte. Denkbar sei, den Berliner Beachvolleyball-Wettbewerb, der bislang an verschiedenen Orten in Berlins Mitte stattfand, hierher zu holen.

Die Friedrichshainer Grünen hingegen kritisieren die neue Planung: Zwar habe das Bezirksamt von einer ursprünglich vorgesehenen Wettkampfanlage für Inlineskating Abstand genommen, die jetzige Planung mit Mehrzwecksporthalle widerspreche dennoch dem Parkcharakter der Anlage. Unklar ist auch, welche Kosten durch die Sanierung des ehemaligen Traniningsbeckens entstehen werden, das offenbar mit giftigen Chlorverbindungen belastet ist. Falls Becken und Erdreich abgetragen werden müssen, würden nach Angaben von Albinus-Kloss zusätzliche Kosten von mindestens einer Million Mark entstehen. Auch eine Verzögerung der Fertigstellung sei nicht auszuschließen.

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