Berlin : Im Osten nichts Neues

Susanna Nieder

Der Ort war gut gewählt. Die Eingangshalle des Kommunikationsmuseums in der Leipziger Straße macht was her - gründerzeitlicher Marmor, Säulen, Statuen, das volle Programm. Dazwischen blinkt die Gegenwart in blauer Neonschrift mit Wörtern wie "Blick", "Geste", "Spiel". Geradezu ideal für eine Modenschau.

"Espace créateurs" nennt sich die Veranstaltung, die der Wiener Mario Soldo vergangenen Herbst zum ersten Mal im Treptower Gründerzentrum Kiefholzateliers organisierte. Diesmal sollte der "Raum für Kreativität" also in wesentlich pompöserer Umgebung geschaffen werden. Und wie gesagt, an Örtlichkeit und Organisation hätte es auch nicht gelegen. Doch was dem Berliner Publikum in Modedingen als innovativer Ideenreichtum präsentiert wird, reißt in den meisten Fällen niemanden vom Stuhl. Der "espace créateurs" bildete da keine Ausnahme. Probe aufs Exempel war die Pause, in der sich die Reihen deutlich lichteten.

Fünf Labels waren diesmal eingeladen, vier aus Soldos Heimat und eins aus Berlin. Die Salzburgerin Sissi Holleis, die in Paris lebt und arbeitet, zeigte Variationen über die achtziger Jahre, zumeist Rock mit T-Shirt in matten Farben, die T-Shirts mit allerhand Garnierungen und teilweise interessanten Prints. Mit Nylonsöckchen, hohen Pumps, lila Cowboystiefeln aus genopptem Straußenleder wurde bewusst gegen den gefälligen Strich gestylt, aber der notwendige Schuss Ironie fehlte.

Drape-Design aus Berlin griff auf die geraden, sportiven Linien der Siebziger zurück, auf Camouflagemuster und Stars & Stripes, gab sich ein bisschen vulgär, ein bisschen wie Rummelplatz. Die Wiener Svigcomp. und Lapadu zeigten Schlaghosen mit supertief angesetzte Hosenbunde - alles Ideen, die man in den letzten zwei oder mehr Saisons schon oft gesehen hat.

Außer Konkurrenz lief Elfenkleid, ebenfalls aus Wien und im Vorjahr Gewinner des Pierre Lang Fashion Award, der diesmal an Drape-Design ging.

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