Berlin : Im Osten tut sich was

WOHNUNGSBAU: Branche hofft auf Ende des Stillstands

Alexander Visser

Im Jahr 2004 wohnen fünf Millionen Menschen in Berlin. Das vermuteten zumindest einige Experten in der euphorischen Phase nach der Wiedervereinigung. Doch der Bevölkerungsboom ist ausgeblieben, knapp 3,4 Millionen Menschen leben heute in der Stadt. „Durch die Hoffnung auf den Boom entstand in den Neunzigerjahren ein Wohnungsüberhang, der bis heute nicht abgebaut ist“, sagt Axel Wunschel, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg.

Das zeigen auch die aktuellen Daten des Statistischen Landesamtes zum Wohnungsbestand in Berlin. Die Zahl dieser Immobilien hat im Jahr 2003 nur um 0,1 Prozent gegenüber 2002 zugelegt auf 1,88 Millionen Wohnungen. Die Baubranche hofft aber, dass der Berliner Bau-Blues nun langsam zu Ende geht. Die Mietpreise haben sich stabilisiert, langsam ziehen sie wieder an. So kostete ein Quadratmeter in einem Neubau bei Erstbezug in Westberlin 2001 noch 5,60 Euro, 2003 stieg er auf sechs Euro. „Das könnte ein erstes Anzeichen dafür sein, dass es sich wieder lohnt, in Berlin Wohnungen zu bauen“, sagt Wunschel.

In einigen Bezirken gibt es schon jetzt überdurchschnittliche Bauaktivität. So entstanden in Treptow-Köpenick 595 Einheiten, der Bestand stieg um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem Familien zieht es in den seenreichen Ostbezirk. Auch Pankow verzeichnete mit 536 Neubauwohnungen ein Wachstum über dem Schnitt. Dagegen sank die Zahl der Wohnungen in Marzahn-Hellersdorf um 812 Einheiten, was einem Rückgang von 0,6 Prozent entspricht.

Das bedeutet aber oft nicht Abriss, sondern behutsamen Umbau: Die Zahl der Stockwerke wird reduziert, Wohnungen werden zusammengelegt und neu gestaltet. Der Umbau zu schicken Terrassen-Wohnungen in Berlin-Marzahn findet nun auch im Bundesbauministerium Anerkennung. Bau-Staatssekretär Tilo Braune lobte am Mittwoch die Erfolge: Die Nachfrage nach den neu gestalteten Wohnungen sei in Marzahn inzwischen größer als das Angebot. Der Umbau sei ein Beispiel dafür, wie Plattenbau-Gebiete ihre Einwohner im angestammten Kiez halten könnten, sagte Braune.

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