Berlin : Im Poker-Prozess ist kein Urteil in Sicht

Als unwilliger Zeuge trat der bereits verurteilte Pokerräuber Vedat S. ab. Sechs Monate Beugehaft und damit die maximale Dauer nahm der 23-Jährige für sein Schweigen im Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Drahtzieher des Überfalls vom Potsdamer Platz in Kauf. Monatelang herrschte dadurch Stillstand in der seit knapp einem Jahr laufenden Beweisaufnahme. Aus Sicht der Richter war er der letzte Zeuge. Doch am Donnerstag zeichnete sich ab, dass die Verhandlung vor der nächsten Hürde steht. Für Verteidiger sind noch Zeugen zu befragen.

Es geht dabei um weitere bereits verurteilte Jungräuber. Sie waren gemeinsam mit Vedat S. am 6. März 2010 mit Gebrüll in die Pokerrunde gestürmt und mit 242 000 Euro geflohen. Vor einer Jugendstrafkammer gestanden die damals 19- bis 21-Jährigen ihre Beteiligung und erhielten Haftstrafen von bis zu drei Jahren und neun Monaten. Viele Fragen aber blieben offen. Im jetzigenProzess geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der 32-jährige Mohammed Abou-C. die Idee zu dem Coup hatte und per Handy aus dem Hyatt-Hotel das Signal zum Losschlagen gab. Der 30-jährige Ibrahim El-M. soll die Jungräuber angeheuert und den Fluchtwagen gefahren haben.

Die vier Verurteilten waren im August 2010 die ersten Zeugen im zweiten Poker-Prozess. Nacheinander wurden Vedat S., Ahmad El-A., Jihad C. und Mustafa U. in den Saal geführt. Sie aber verweigerten die Aussage. Damals mit Recht, weil ihre Verurteilungen noch nicht rechtskräftig waren. Sollten sie nun erneut in den Zeugenstand gerufen werden, hätten sie wohl kein umfassendes Schweigerecht. Dann könnte es wieder um Beugehaft gehen.

Ein juristisches Tauziehen ist in Sicht. Am inzwischen 50. Verhandlungstag schätzten die Richter ein, dass für sie „die Umstände der Tat hinreichend aufgeklärt“ seien. Verteidiger aber kündigten erneute Beweisanträge an. Ein Urteil in absehbarer Zeit ist unwahrscheinlich. Das Gericht setzte bereits weitere Verhandlungstage bis Dezember an. K.G.

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