Berlin : Im Privatjet zur WM

Tempelhof ist der Gewinner der Weltmeisterschaft Kein anderer Airport verzeichnet mehr Zusatzflüge

Rainer W. During

Tempelhof ist unter den deutschen Flughäfen der eindeutige Gewinner der Fußballweltmeisterschaft. Kein anderer Landeplatz hat mehr WM-Zusatzflüge zu verzeichnen als der Berliner City-Airport: 1183 hatte die Deutsche Flugsicherung bereits bis Ende Juni koordiniert. Damit liegt der Zentralflughafen vor München auf dem Spitzenplatz.

„Die einmotorigen Sportflugzeuge müssen schon auf den Rasenflächen geparkt werden“, sagt Thomas Stillmann, Chef der Tempelhofer Business-Airline Windrose Air. Auch sein Unternehmen verbucht zur WM ein kräftiges Auftragsplus. Die Firma NetJets Europa, die Flugstundenkontingente auf Geschäftsreiseflugzeugen bietet, organisierte allein vom 8. bis 20. Juni rund 100 Flüge von und nach Tempelhof. Mehr als 160 sind noch bis zum 9. Juni gebucht. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres eine Steigerung um 270 Prozent, heißt es.

„Allein für das Endspiel in Berlin liegen uns bereits 120 Buchungen vor“, sagt Steffen Fries, NetJets Senior-Vizepräsident für Deutschland. „Wir sind überzeugt, dass die Anzahl der Buchungen noch steigen wird, je näher das Finale rückt.“ Auch bei TAG-Aviation, die einen Großteil der auswärtigen Businessjets in Tempelhof betreut, spricht man von einer erheblichen Steigerung. An den Berliner Spieltagen platze Tempelhof aus den Nähten, sagt auch Frank Hellberg, Chef vom Air Service Berlin.

Für Thomas Stillmann ein weiterer Beleg, dass Berlin den Flughafen Tempelhof zur Bewältigung des Geschäftsreiseverkehrs bei Großereignissen auch zukünftig benötigt. Schönefeld oder Tegel hätten die zusätzlichen Businessjets nicht aufnehmen können, glaubt der Windrose-Chef. Immer mehr Manager kommen mit immer größeren Flugzeugen in die Hauptstadt. „Die Talsohle ist durchschritten, die Branche boomt.“

Insgesamt wurden im Juni in Tempelhof 4554 Starts und Landungen gezählt, 21,1 Prozent mehr als im Juni 2005. Auch in den vergangenen Monaten war der City-Airport im Aufschwung. Von Januar bis Mai gab es 21 459 Flugbewegungen, gut ein Drittel mehr als im ersten Halbjahr 2005.

Wie berichtet, wehren sich die in Tempelhof tätigen Luftfahrtunternehmen gegen die geplante Schließung des Zentralflughafens zum 31. März nächsten Jahres. Die gestern ablaufende Frist zur Stellungnahme wurde von der Luftfahrtbehörde auf Drängen der Airlines um zwei Wochen verlängert. Stillmann kündigte an, dass man eine weitere Verlängerung beantragen werde, um angemessen auf ein vom Flughafen vorgelegtes Gutachten zur künftigen Verkehrsaufteilung reagieren zu können.

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