Berlin : Im Reich der Schrauber

In Trebus ist hallenweise DDR-Alltag zu sehen – vor allem Karossen von Trabi bis Moskwitsch.

Statt Campingbus. Das Trabidach trug im Urlaub auch das Dachzelt „Pension Sachsenruh“ für zwei Personen. Foto: Ste.
Statt Campingbus. Das Trabidach trug im Urlaub auch das Dachzelt „Pension Sachsenruh“ für zwei Personen. Foto: Ste.

Sie standen verrostet, ausgeschlachtet und demoliert irgendwo am Waldrand, auf Schrottplätzen, entlegenen Grundstücken oder hinter schweren Garagentoren: Autos, Motorräder, Mopeds, sogar Busse und Lastwagen aus DDR-Produktion und Werken anderer Ostblockländer. Ostalgiker aus Berlin und Brandenburg nahmen sich der Schrottlauben an – und machten aus ihnen nahezu fabrikneue Fahrzeuge, auch wenn für ein Modell oft zwei bis drei alte Exemplare ausgeschlachtet werden mussten.

Mittlerweile umfasst der Schatz der „IFA-Freunde Trebus“ rund 200 DDR-Automobile, vom „P 70“ aus den fünfziger Jahren über Dutzende Trabis, Wartburgs, Ladas, Wolgas, Dacias bis zu mittlerweile fast vergessenen Marken wie Saporeshez, Moskwitsch und Robur. Dazu kommen viele Varianten des Lastwagens W 50 und des Kleintransporters Barkas sowie sämtliche Zweiräder.

Das Reich der 20 „aktiven Schrauber“, wie sich die Mitstreiter selbst nennen, liegt am Ortseingang von Trebus und damit direkt auf dieser Radtour. Das Areal des früheren „Kreisbetriebs für Landtechnik“ – es besteht aus mehreren Hallen – ist nicht zu übersehen. Am Eingang steht einer jener knallgelben Zeitungskioske, die bis 1990 überall zwischen Ostsee und Erzgebirge zu finden waren. Hinter den großen Fenstern ist eine Schaufensterpuppe in der Originaluniform des Post-Zeitungs-Vertriebs (PZV) postiert, die Druckerzeugnisse aus der DDR anbietet. Dazu kommt die für volkseigene Betriebe unverzichtbare „Straße der Besten“, eine Tafel, die heute allerdings statt der Porträts vorbildlicher Werktätiger die Konterfeis von Pittiplatsch, Schnatterinchen und anderen Figuren des damaligen Kinderfernsehens zeigt. Gleich dahinter lebt der DDR-Alltag in Form von Kaufhallen, Wohnungen, einem Kindergarten oder einem Polizeirevier weiter. „Wir haben zwar keine regulären Öffnungszeiten, aber an Wochenenden sind fast immer Schrauber vor Ort“, sagt Günter Wehr von den IFA-Freunden. Hinter der Abkürzung verbirgt sich der einstige „Industrieverband Fahrzeugbau“. Ste.

Führungen können bei Günter Wehr unter Tel. 0173 / 6043 081 vereinbart werden.

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