Berlin : Im Reich der Streifen

Ein Fotoband führt durch 40 besondere Räume

Lars von Törne

Zebras liegen voll im Trend. Zumindest finden sich in den Berliner Designer-Appartements der oberen Preisklasse auffallend viele Tierfelle mit Streifen. Doch auch sonst scheint parallel zur Größe des Einkommens der Hang zu ungewöhnlichen Wohnaccessoires rapide zu steigen.

Das ist jedenfalls der Eindruck, den man beim Betrachten der exklusiven Orte bekommt, an die der Bildband „40 Rooms Berlin“ führt. Genau 40 von namhaften Designern und Architekten gestaltete Wohnungen, Clubs, Büros und öffentliche Räume präsentiert das Buch in perfekt komponierten Fotoreihen. Von der sachlich-luxuriösen Wannsee-Villa bis zum kühl-eleganten Penthouse am Potsdamer Platz, vom nüchtern gestylten Designerladen bis zum plüschigen Sexclub reicht das Spektrum der Orte, die die Autorinnen und Fotografen mit Hilfe einer Location-Agentur entdeckten und in Szene setzten. Neben Berliner Architekturklassikern wie dem ICC, dem Kino International oder dem Krematorium Baumschulenweg gibt es dank eines guten Dutzends spektakulär gestalteter Privatwohnungen jede Menge Entdeckungen zu machen, die man in klassischen Architekturführern vergeblich sucht. Die Bewohner der gezeigten Orte tauchen auf den Fotografien aber nicht auf. Deren Vorlieben und auch der eine oder andere Spleen sind in den leeren Räumen jedoch zu erahnen, und sei es nur durch ein vier Meter breites Aquarium hinter der Wohnzimmercouch oder eine historische Sitzgarnitur aus Walnussholz und Antilopenleder.

Die meisten gezeigten Wohnungen sind für die Öffentlichkeit tabu. Andere Orte wie das Landhaus am Rupenhorn, eine von Plastikwellen im Popart-Stil durchzogene Zahnarztpraxis oder das optisch zwischen Folterkeller und Fantasy-Spielplatz angesiedelte Hotel „Propeller Island City Lounge“ sind wenigstens teilweise zugänglich. Leider verschweigt das Buch, wo genau sich diese Orte befinden und wie man hineingelangt.

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Kirsten Alda, Julia Stoffregen: 40 Rooms Berlin. Avedition, Ludwigsburg. 208 Seiten, Texte in Deutsch und Englisch, 29 Euro.


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