IM RÜCKBLICK : Neue Allianzen

DIE AUSGANGSLAGE

Der Monopolist „Staatliche Versicherung der DDR“ verwaltete rund 30 Millionen Versicherungsverträge für Privatleute, Genossenschaften und Betriebe. 12 000 feste und 35 000 nebenberufliche Mitarbeiter waren für das Unternehmen tätig. Jährlich wurde ein Gewinn von 1,7 Milliarden Mark erwirtschaftet, der an den Staat abgeführt werden musste.

DIE ÜBERNAHME

Neben der Allianz waren noch andere Versicherungen im Rennen. Doch deren Konzept, Länderversicherungsanstalten zu gründen, stieß auf wenig Gegenliebe. Die Chefs von Allianz und Staatlicher Versicherung hatten sich schon im Januar 1990 zu ersten Gesprächen getroffen. Im März 1990 wurde ein Vorvertrag mit dem Ministerium für Finanzen der DDR geschlossen. Am 1. Juli stieg die Allianz mit 49 Prozent bei den neu gegründeten Unternehmen „Deutsche Versicherungs AG“ und „Deutsche Lebensversicherungs AG“ ein. 51 Prozent hielt die Treuhand.

DIE MITARBEITER

In der Staatlichen Versicherung arbeiteten überwiegend Frauen, weil der Verdienst eher gering war und Dienstleistungen kein hohes Sozialprestige hatten. Nach der Übernahme durch die Allianz mussten alle Mitarbeiter aus der ehemaligen DDR eine Stasi-Erklärung abgeben. NVA-Offiziere waren dem Konzern willkommen. Auch Informelle Stasi-Mitarbeiter (IMs) bekamen ihre Chance, sofern nichts Konkretes gegen sie vorlag.

DIE ERBLAST

Die Versicherungs-Altfälle wurden 1990 nicht von der Allianz übernommen, sondern in einer Abwicklungsgesellschaft gebündelt, der SinA. Sie wurde zum 31. Dezember 2007 aufgelöst. Ihre Aufgaben übernahm die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Derzeit gibt es noch rund 1700 offene Altfälle, die fünf Sachbearbeiter beschäftigen. 2009 wurden für Schadensregulierungen etwa 15 Millionen Euro aufgewendet. Das Geld kommt vom Bund.

DIE HERAUSFORDERUNG

Kurz vor der Währungsunion lösten drei Millionen DDR-Bürger ihre Lebensversicherungen auf. Das eingezahlte Kapital wäre 1:2 umgetauscht worden, auf dem Sparkonto gab es aber bis maximal 6000 Euro den Kurs 1:1. Erneut kritisch wurde es bei den Hochwasserkatastrophen an Oder und Elbe. Die übernommenen DDR-Verträge deckten den Schutz vor Hochwasser ab. Allein bei der Elbeflut 2002 zahlte die Allianz 550 Millionen Euro aus. loy

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