Berlin : Im Schein der Lichtschwerter

Der neue Star-Wars-Film startet mit einer Mega-Premiere am Potsdamer Platz. Den ersten gab es 1978 nur in einem Kino zu sehen

Andreas Conrad

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis. Denn das war West-Berlin doch, vergleicht man es mit der heutigen Metropole, die zwar die gleichen geographischen Daten aufweist wie die versunkene Stadt, aber was bedeutet das schon.

Wir schreiben das Jahr 1978. Mehr als ein halbes Jahr ist vergangen, seit in Amerika der Film „Star Wars“ in die Kinos gekommen ist, mit unerwartetem, gleichwohl überwältigendem Erfolg. Millionen Zuschauer hat die Weltraum-Saga schon angelockt, nun, am 10. Februar 1978, ist es auch in West-Berlin soweit. Der „Krieg der Sterne“ beginnt – in einem einzigen Kino. Immerhin darf sich das Publikum darauf freuen, den Film im Royal-Palast „in 70 mm auf der Großbildwand“ und in „6-Kanal-Stereo-Ton“ zu sehen. Eine mehrere Meter hohe Figur des Roboters C-3PO macht jedem klar, dass hier im Europa-Center der Weltraum beginnt, was sicher dazu beiträgt, dass schon bald der Vorverkauf ausgedehnt werden muss – „tägl. ab 12 Uhr für 3 Tage im Voraus!“, wie es in einer Anzeige im Tagesspiegel heißt. Ganze 28 Wochen wird der Film im Royal, das unlängst geschlossen wurde, laufen. Erst Sam Peckinpahs „Convoy“ macht dem „Krieg der Sterne“ ein Ende.

Soweit das Altertum. Die modernen Zeiten sehen anders aus. Ein Kino? In gleich 25 Berliner Häusern startet „Star Wars – Episode III: Die Rache der Sith“ in dieser Woche. Für die Deutschlandpremiere am gestrigen Dienstag ist das größte Haus am Ort, das Theater am Potsdamer Platz, natürlich gerade gut genug. Und wer am vergangenen Freitag im Zoo-Palast der Pressevorführung des Weltraum-Spektakels beiwohnte, erfuhr schon einen Vorgeschmack dessen, was ihn in dem umfunktionierten Theaterbau, der sonst nur zur Berlinale als Kino dient, erwarten sollte. Ein halbes Dutzend galaktischer Sturmtruppen hatte sich im Foyer des Zoo-Palasts aufgebaut, mit Plastikrüstungen, Atemmasken und allerlei Laser-Schießgerät. Seit Pfingstsonntag schließlich campieren vor dem nahen Cinemaxx-Kino in zwei Zelten wieder auswärtige „Star- Wars“-Fans, angereist beispielsweise aus Steyer, Trier, sogar Österreich, um den Start des Films auch ja nicht zu verpassen – und den Meister des Universums, Regisseur George Lucas, lauthals zu bejubeln.

Denn während sich zum Filmstart 1978 niemand aus dem Hollywood-Imperium in die wüste und entlegene Provinz West-Berlin verirrte, steht die Metropole heute selbstverständlich auf der Premieren-Tourneeliste der Stars. Lucas, der oberste Raumschiff-Führer, war angekündigt, seinen Fuß auf den roten Teppich zu setzen, ebenso Produzent Rick McCullum, Hayden Christensen alias Anakin Skywalker/Darth Vader, Christopher Lee als Count Dooku sowie Frau Skywalker, Natalie Portman, die durch ihre neuerdings raspelkurzen Haare schon in Cannes einigen Wirbel verursacht hatte.

Imposant ist auch die Gästeliste, auf der Leute wie Detlev Buck, Alexandra Maria Lara, Christiane Paul, Jürgen Vogel, Ester Schweins oder Joachim Król stehen, dazu mancher Jungstar, der noch gar nicht geboren war, als Han Solo und Luke Skywalker schon gegen Darth Vader die Lichtschwerter erhoben. Man trifft sich dann anschließend im Kaisersaal – und in ein paar Wochen wieder im Theater zum „Krieg der Welten“: Das Imperium der Marsianer schlägt zurück.

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