Berlin : Im Senat glaubt keiner an einen billigen Airport

Bundesfinanzminister Steinbrück will eine Milliarde Euro am neuen Großflughafen sparen, doch sein Konzept gilt als widerlegt

Werner van Bebber

Die Planer des neuen Großflughafens befassen sich schon mit dem Ausschreibungsverfahren – nun wird immer häufiger über ein alternatives Konzept diskutiert, über das der Tagesspiegel bereits ausführlich berichtet hat. Würde man den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg International schrittweise und weniger aufwändig ausbauen, könnten die Kosten deutlich sinken. Nicht 3,5 Milliarden Euro würde der Flughafen in Schönefeld dann kosten, sondern womöglich bloß 1,5 Milliarden Euro. Das jedenfalls hält dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ zufolge Bundesfinanzminister Peer Steinbrück für möglich. Und im Berliner Roten Rathaus wundert man sich. Das für Steinbrück offenbar neue Konzept des Londoner Projektentwicklers Hellmuth, Obata, Kassabaum (HOK) kennen die Fachleuten längst, und sie haben es auch geprüft. Das sagt Senatssprecher Günter Kolodziej. Mitte Mai hat es der Projektentwickler Konzept Plus noch einmal ins Gespräch gebracht. In Berlin ist es als „Y-Konzept“ diskutiert worden, weil der Grundriss an diesen Buchstaben erinnert.

Es sieht vor, dass das Abfertigungsgebäude am alten Standort ausgebaut wird. Später könnte dann ein zusätzlicher Terminal zwischen den beiden Start- und Landebahnen gebaut werden. Er soll erheblich kleiner ausfallen als derzeit geplant. Auch der unterirdische Bahnhof soll nicht gebaut werden. Das würde fast eine halben Milliarde Euro sparen. Denn die Flughafenplaner wollen dort vier Gleise für Fern- und Regionalverkehr und zwei Gleise für die S-Bahn bauen lassen. Die Erfinder des Y-Konzepts gehen davon aus, dass man den bestehenden Schönefelder Bahnhof ausbauen kann. Eine Brücke würde ihn mit dem neuen Abfertigungsgebäude am alten Standort verbinden.

Als Reinhard Müller von Konzept Plus die Pläne im Mai noch einmal ins Gespräch brachte, nannte er für den Flughafen nach dem Y-Konzept Baukosten in Höhe von 2,68 Milliarden Euro. Rechne man die Zinsen für Kredite mit ein, könne man eine Milliarde Euro sparen.

Grundlage des Y-Konzepts war die Überlegung, dass die Pläne für Berlin-Brandenburg International (BBI) von Beginn an zu groß ausgelegt war. Bis Mitte der neunziger Jahre erwarteten Berliner Politiker, dass die Stadt bald fünf Millionen Einwohner haben werde. Auch hofften sie, den Flughafen zum Drehkreuz ausbauen zu können. Beides hat sich erledigt – und begründet für die Planer von Konzept Plus neues Denken mit Blick auf Schönefeld.

Laut Senatssprecher Kolodziej sind BBI-Planer anderer Meinung. Sie hätten die Pläne „verworfen“, sagt er, denn sie seien „unzweckmäßig“ für den neuen Großflughafen. Die BBI-Planer sehen sich nämlich durch den Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts zum Flughafen einigermaßen festgelegt.

Kaum jemand will ein neues Planfeststellungsverfahren. Vom Flughafensprecher Rolf Kunkel bis zum Geschäftsführer der Berlin Brandenburg Aerospace Allianz reichten die ablehnenden Äußerungen gegenüber der Nachrichtenagentur ddp. Senatssprecher Kolodziej wunderte sich ohnehin über die Steinbrück-Theorie. Im BBI-Aufsichtsrat nämlich habe der Vertreter des Bundes keine Einwände gegen die jetzige Planung des Großflughafens erhoben.

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