• Im Sessel der Bürgermeisterin sitzt eine 13-Jährige In der FEZitty haben Erwachsene nichts zu sagen

Berlin : Im Sessel der Bürgermeisterin sitzt eine 13-Jährige In der FEZitty haben Erwachsene nichts zu sagen

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Von Steffi Bey

Köpenick. Obwohl Ferien sind, hat Melanie ziemlich viel Stress. Die 13-Jährige leitet Sitzungen, gibt Interviews, organisiert Veranstaltungen und muss auch Beschwerden entgegennehmen. Aber sie hat es so gewollt. Die Treptower Schülerin wurde für eine Woche zur Bürgermeisterin von FEZitty, der Hauptstadt der Kinder, gewählt.

Ihr Chefsessel, der eigentlich ein ganz normaler Holzstuhl ist, steht, wie im Leben eines richtigen Stadtoberhauptes, im Rathaus. In einem bunt bemalten Gebäude aus stabilem Karton, in dem jeder Besucher willkommen ist. Wenn das schlanke Mädchen mit dem strengen Zopf gegen 10.30 Uhr ihren Arbeitsplatz aufsucht, sind nur die drei Senatoren an ihrer Seite. Denn die Geschäfte und Banken, die Universität, die Gaststätte und auch der Bootsverleih öffnen erst eine halbe Stunde später. Die Bürgermeisterin nutzt die Zeit für ihren täglichen Rundgang. In der Kulissenstadt entdeckt sie ein paar unsaubere Ecken, stolpert auch mal über liegen gelassenes Baumaterial oder registriert den hohen Leerstand im Gewerbehof der Kinderstadt. Melanie macht sich in ihrem Heftchen Notizen und wird darüber später mit ihren Mitarbeitern sprechen. Pünktlich um 11 Uhr werden die Türen geöffnet und das Leben in FEZitty beginnt.

Rund 1000 Kinder aus allen Berliner Bezirken kommen täglich in das FEZ, wollen dort arbeiten und Geld verdienen und ihre „Wuhlis“ auch gleich an Ort und Stelle ausgeben. Es gibt ein Einwohnermeldeamt, eine Stadtinformation und das Arbeitsamt mit mehr als 850 Jobs in 50 verschiedenen Branchen. Kinder zwischen sieben und 14 Jahren können sich unter anderem als Banker, Maler, Redakteur, Mechaniker, Taxifahrer, Tierpfleger oder Servierer versuchen. Es ist auch möglich, selbstständig Läden zu eröffnen oder Dienstleistungen anzubieten. Jeder erhält für eine Stunde Arbeit fünf „Wuhlis“, muss davon allerdings einen „Wuhli“ an das Finanzamt der FEZitty abgeben. „Wir wollen den Kindern durch das Spiel ernst gemeinte Verantwortung übertragen“, sagt eine FEZ-Mitarbeiterin. Und sie betont, Erwachsene seien zwar gern gesehene Gäste, dürfen sich aber nicht in das Spielgeschehen einmischen. Das finden Melanie und ihre Senatoren Lesley, Sarah und Adrian auch richtig. „Hier können wir endlich mal die Bestimmer sein“, sagt Lesley, der stellvertretende Bürgermeister, der jeden Tag aus Spandau nach Köpenick kommt.

Melanie scheint sich in ihrer Rolle zu gefallen. Sie genießt es, von den anderen Kindern angesprochen zu werden, zupft dabei manchmal etwas verlegen an ihren Haaren und bemüht sich zu helfen. Was sie sich für die eine Woche vorgenommen hat, sprudelt nur so aus ihr heraus: „Ich will jederzeit ein Ohr für meine Bürger haben“, sagt sie. Außerdem mehr Kultur in die Stadt bringen und neue Arbeitsplätze schaffen. Das klingt fast wie im richtigen Leben. Und wie werden die Ideen umgesetzt? „Wir bereiten eine Miss- und Misterwahl vor“, kündigt die Bürgermeisterin an. In der morgendlichen Senatssitzung spricht das Mädchen von zusätzlichen Jobs, die durch den Aufbau und die Ausgestaltung von Festen entstehen können. Die drei Senatoren nicken zustimmend. Am Nachmittag wird Melanie das neue Standesamt einweihen und das erste Pärchen trauen. Danach wird sie zum Gewerbehof gehen und den drei Ladenmietern den neuesten Senatsbeschluss unterbreiten. Die drei Trödelläden sollen zu einem kleinen Kaufhaus zusammengelegt werden.

Nach sieben Stunden schließt Melanie das Rathaus ab. Sie freut sich auf ihr Zuhause. Dort übernehmen ihre Eltern kurzzeitig die „Regierungsgeschäfte".

Bis zum 18. August kann die FEZitty dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr, sonnabends von 13 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr besucht werden, weitere Infos unter www.fez-berlin.de .

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