Berlin : Im Spreewald und doch noch fast in Berlin

Claus-Dieter Steyer

Dieser Spruch ist mehr als 80 Jahre alt: "Der schönste Ort im ganzen Reiche, ist Manns kleiner Spreewald in Schöneiche". Damit wurden bis in die dreißiger Jahre vor allem Berliner Ausflügler in die Gemeinde am östlichen Berliner Stadtrand gelockt. Sie kehrten in der Gaststätte von Max Mann ein, auf den das Motto zurückgeht. Vor seiner Tür hatte er tatsächlich einen kleinen Spreewald angelegt, in dem sich die Gäste auf einem originalen Kahn durch die Wasserarme staken lassen konnten. Das Wirtshaus ist heute nur noch eine Ruine, doch wenigstens ein Spreewaldkahn fährt an den Wochenenden die Ausflügler 20 Minuten lang durch eine romantische Landschaft.

Als Einkehrmöglichkeit bietet sich das unmittelbar an den Kleinen Spreewald grenzende Hotel und Restaurant "Alte Mühle" an. Der Name täuscht allerdings. Von einem Mühlenrad oder einem historischem Gebäude ist nichts zu sehen. Dabei drehte sich am Mühlenfließ tatsächlich einmal ein Rad. Doch das Haus wurde vor Jahrzehnten bis auf die Grundmauern abgerissen. Es entstand ein typisches schlichtes Ferienheim für ein Ostberliner Kombinat. Damit war dann 1990 Schluss. Auf dem herrlich gelegenen Grundstück entstand ein Neubau mit 40 Hotelzimmern und einem Restaurant. Doch der große Erfolg wie zu Zeiten von Max Mann sollte sich nicht einstellen, zumal das Restaurant nur Hotelgästen zugänglich war. Seit Mitte April versucht ein neuer Betreiber sein Glück. Die 30 Plätze in der Gaststätte sind ab sofort für jedermann zugänglich. Dazu kommt die gleiche Zahl von Stühlen auf der Terrasse - mit bestem Blick zum Spreewald im Mini-Format. Für Tagungen steht ein Saal mit 60 Plätzen zur Verfügung.

Auf der Speisekarte taucht tatsächlich ein Gericht aus dem richtigen Spreewald auf: Gebratenes Spreewaldhechtfilet auf Blattspinat und Kartoffeln für 22 Mark. Der gebratene Zander an gebutterten Vollkornnudeln kommt für 24,50 Mark dagegen aus der Havel. Ansonsten entspricht das Angebot dem Brandenburger Durchschnitt ohne besondere Höhepunkte. Auch die Preise liegen auf dem üblichen Niveau: Lammkotelett mit Kräuterbutter, Speckbohnen und gratinierten Kartoffeln für 23,50 Mark oder Putenpfeffersteak mit Rosenkohl, Mandelsplittern und Kroketten für 22,50 Mark. Dafür ist das Angebot französischer Käsespezialitäten erwähnenswert. Doch weitere Verbesserungen werden sich bestimmt im Laufe der Zeit einstellen. Das müsste allein schon die ausgezeichnete Lage garantieren. Die "Alte Mühle" ist mit der Straßenbahn vom S-Bahnhof Friedrichshagen bis zur Haltestelle Dorfaue günstig zu erreichen.Hotel "Alte Mühle" in Schöneiche bei Berlin, Brandenburgische Str. 122, Tel. 030/643 05 50, Restaurant täglich von 11.30 bis 23 Uhr.

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