Berlin : Im Streit um den Tiefflug geht es hoch her

Betreiber widersprechen Anwohnern: Der „Rosinenbomber“ soll bei seiner Landung in Tempelhof höher als gewöhnlich geflogen sein

Klaus Kurpjuweit

Wie hoch flog die Maschine wirklich? Auch eine Woche nach dem von Anwohnern als gefährlich niedrig eingestuften Anflug eines „Rosinenbombers“ auf den Flughafen Tempelhof lässt sich nicht exakt klären, wie knapp die „DC 3“ die Hausdächer tatsächlich überflogen hat. Die Fluglotsen haben keine Unregelmäßigkeit festgestellt. Nach Angaben von Air Service Berlin-Geschäftsführer Steffen Wardin flog der Pilot sogar höher als sonst. Die „DC 3“ wird für Rund- und Charterflüge eingesetzt.

Wäre die Maschine extrem tief geflogen, hätte sie nicht erst nach einem Drittel der Landebahn aufgesetzt, sondern vorher, sagt der Sprecher der Flugsicherung, Gerhard Schanz. Anwohner dagegen bleiben dabei, dass der „Rosinenbomber“ so tief geflogen sei wie noch nie. Ein Augenzeuge sagte, er habe den Eindruck gehabt, das Flugzeug rase in die Häuser zwischen der Manfred-von- Richthofen-Straße und dem Tempelhofer Damm. Als unmöglich bezeichnet Wardin Angaben, die „DC 3“ habe sogar den Wipfel einer Pappel gestreift. An der Maschine hatten Mechaniker, wie berichtet, keine Schäden feststellen können. Sie war untersucht worden, nachdem ein Anwohner eine Anzeige erstattet hatte.

Die „DC 3“ landete auf der nördlichen Tempelhofer Bahn, die nur Anflüge „auf Sicht“ zulässt. Eine automatisch über Instrumente gesteuerte Landung ist dort nicht möglich. Ob die Maschine die erforderliche Höhe einhält, kann der Pilot an einem Sichtanflugsystem mit vier Lichtzeichen erkennen, die ihm den richtigen Gleitwinkel anzeigen. Weicht er davon ab, wird ihm das angezeigt. Lückenlos wird der Anflug durch die Lotsen nicht überwacht. Die Radarerfassung beim Anflug werde aber gespeichert. So ist es möglich, die exakten Daten festzustellen. Dieses Verfahren ist jedoch sehr aufwändig. Aus Sicherheitsgründen werde, sagte Wardin weiter, beim Sichtanflug grundsätzlich höher geflogen als bei einer Landung mit Instrumentenanflugverfahren, das in Tempelhof für die südliche Bahn installiert ist.

Auf welcher Bahn die Piloten landen, entscheiden die Lotsen. „Auf Sicht“ landen vorwiegend Privat- und Charterflüge, wenn die südliche Landebahn von Linienmaschinen genutzt wird. Subjektiv könne man als Anwohner den Eindruck gewinnen, dass Maschinen wie die „DC 3“ tief flögen, sagte Wardin. Objektiv habe es jedoch keinen „Tiefflug“ gegeben. Die Flugsicherung hatte, wie berichtet, einen tiefen Flug bestätigt, der allerdings nicht „zu tief“ gewesen sei.

Der „Rosinenbomber“ wird nach Wardins Angaben weiter von Tempelhof aus zu Rundflügen über Berlin und Potsdam starten.

Diskussion im Internet unter

www.pccb.de

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