Berlin : Im Streit um die Museumsinsel mischt jetzt der Bundestag mit

Es geht um den neuen Eingang: Der Petitionsausschuss kam zum Ortstermin Die Gesellschaft Historisches Berlin hofft auf eine Kehrtwende – vergeblich?

Christian van Lessen

Kann der Bundestag die Planungen auf der Museumsinsel noch beeinflussen? Die Gesellschaft Historisches Berlin hofft darauf. Auf ihren Antrag hin besuchten gestern Mitglieder des Petitionsausschusses das Neue Museum, um sich bei einem zweistündigen Rundgang über Planungen und Bauarbeiten zu informieren. Der Ausschuss, der ausdrücklich nur zu einem „Ortstermin“ erschienen war, wird sich vermutlich im Juni,wenn der Entwurf für das neue Eingangsgebäude vorliegt, äußern. Eine Weisungsbefugnis hat er nicht. Er kann Empfehlungen abgeben, aber sein Wort hat Gewicht.

Ausschussmitglied Günter Baumann (CDU) sagte, man werde erst abschließend über die Petition beraten, wenn der Architekt David Chipperfield seine neueste Planung vorgelegt habe. Josef Winkler von den Grünen nannte es „überzeugend“, was Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, bei dem Rundgang vorgetragen habe. Swen Schulz (SPD) stimmte zu, meinte aber, erst müsse ein „vernünftiger, diskutabler Architekturentwurf“ vorliegen. Heidrun Bluhm (Linke) forderte ein „transparentes Verfahren, um Missverständnisse auszuräumen“. Peter Hettlich von den Grünen sagte, der Bauausschuss des Bundestags werde sich mit den Planungen noch beschäftigen. Für Änderungen bei der Restaurierung des Neuen Museums, besonders des Treppenhauses, sei es zu spät.

Birgit Lucas, die Vorsitzende der Gesellschaft Historisches Berlin, ist gegen das neue Eingangsgebäude. Sie will, dass die Treppenhalle des Neuen Museums originalgetreu restauriert und das kriegsbeschädigte Gebäude von schadhaften Spuren befreit und „anständig verputzt wird“. Der Petitionsausschuss des Bundestags folgte mit seinem Besuch den Spuren der CDU-Fraktion des Abgeordnetenhauses, die vor einer Woche die Baustelle Museumsinsel besichtigt hatte. Stiftungspräsident Klaus-Dieter Lehmann erklärte erneut die Bedeutung des Neubaus vor dem Neuen Museum. Dieser diene der Infrastruktur der Museumsinsel, sei Organisationsfläche für Kassen und Garderoben, Auditorium und Entspannungsbereich mit Restaurant, Bistro und Shop. Die Funktion dürfte außer Zweifel stehen, strittig bleibe die Architektur des Gebäudes, das vom weltweit erfahrenden Architekten bislang nur als grobes Modell entworfen worden sei.

Die Debatte über den Neubau habe aber Sensibilität erzeugt, Chipperfield lasse sich darauf ein und werde dann den detaillierten Entwurf vorlegen. Der Bau stehe nicht im Widerspruch zum Weltkulturerbe-Status der Unesco, die letzte Entscheidung treffe das Landesdenkmalamt. Zur umstrittenen Restaurierung des Neuen Museums, auch nach Plänen Chipperfields, sagte Lehmann, es werde Altes und Neues „mit Fingerspitzengefühl“ verbunden und auch kein „Ruinenfetischismus“ betrieben.

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