Berlin : Im Süden wird’s ganz eng

Brandenburg baut Schnellstraßen vierspurig aus, die teils in Berliner Tempo-30-Zonen münden

Klaus Kurpjuweit

Wo Berlin und Brandenburg zusammentreffen, wird’s eng – zumindest im Süden der Stadt. Am Montag beginnt mit dem ersten Spatenstich der Ausbau der Bundesstraße B 96 zwischen dem Berliner Autobahnring und der Stadtgrenze. Und an der B 101 sind die Arbeiten fast abgeschlossen – jedenfalls auf märkischer Seite. Doch in Berlin tut sich nichts. Was Verkehrskollaps bedeutet, wenn früher oder später zweispurige Brandenburger Straßen in einspurige Berliner Straßen münden. Und das in beide Richtungen. Betroffen sind Lichtenrade (B 96) und Marienfelde (B 101). Stau sei hier programmiert, sagen der ADAC und die Industrie- und Handelskammer. Ausbaupläne für die Berliner Abschnitte gibt es zwar seit langem, doch der Senat will dafür Geld vom Bund haben.

Grundsätzlich gilt jedoch die Regel, dass die Kommunen den Ausbau von Bundesstraßen in den Städten selbst finanzieren müssen. In Marienfelde und Lichtenrade will der Senat jedoch eine Ausnahme erreichen. „Der Beschluss Brandenburgs, seine Bundesstraßen als Schnellstraßen bis zur Stadtgrenze aus- und neu zu bauen, führt zu einem Verkehrsstrom auf Berliner Straßen, den wir so nicht haben wollten“, sagt die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Petra Reetz.

Deshalb sei der Bund als Hauptgeldgeber des Brandenburger Ausbaus in der Pflicht, sich auch in Berlin finanziell zu engagieren. Positive Zeichen gebe es bereits. Immerhin verschlingen die kurzen Abschnitte von der Stadtgrenze bis zu den ersten großen Kreuzungen Millionenbeträge. Die B 96 trifft in Lichtenrade auf die Goltzstraße, die B 101 in Marienfelde auf die Hildburghauser Straße und den Nahmitzer Damm. Auf beiden Abschnitten müssen Bäume gefällt werden, für die es nach Angaben von Reetz Ersatzpflanzungen geben soll. Lärmschutzwände sind nicht vorgesehen. Um den Krach zu reduzieren, sei aber nicht ausgeschlossen, dass es bei Tempo 30 bleibt, das jetzt auch wegen der schlechten Fahrbahn verhängt worden ist. Spätestens an den ersten Kreuzungen ist mit dem Ausbau Schluss. Der Senat will auf einen kreuzungsfreien Ausbau der B 101 bis zum Schöneberger Autobahnkreuz verzichten und die bisher seit Jahrzehnten dafür freigehaltene Trasse im Flächennutzungsplan aufgeben. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) sieht darin einen „schweren Fehler mit negativen Folgen für die künftige regionale Entwicklung“. Nach Ansicht der Senatsplaner verteilt sich der Verkehr auf den vorhandenen Stadtstraßen, so dass ein Neubau bis zum Schönefelder Kreuz überflüssig sei.

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