Berlin : Im „Türkischen Haus“ sind auch Islamisten dabei

Erstmals spricht ein türkischer Regierungschef mit Vertretern der umstrittenen Organisation Milli Görüs

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Die türkischen Tageszeitungen überboten sich in den letzten Tagen gegenseitig mit den Schlagzeilen. Am Dienstag um 9 Uhr wird sich der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan auch mit zwei Vertretern der umstrittenen islamistischen Gruppe „Milli Görüs“ treffen. Das bestätigte der Generalsekretär der islamistischen Organisation, Oguz Ücüncü, am Montag. Der Vereinsvorsitzende, Yavuz Celik Karahan, werde auch dabei sein, wenn es zu der Begegnung des Ministerpräsidenten mit Vertretern türkischer Organisationen im „Türkischen Haus“ an der Urania in Schöneberg kommt. Das Haus wird von der türkischen Botschaft betrieben.

Bereits im Vorfeld kritisierten Vertreter von türkischen Dachverbänden in Deutschland, ein Treffen mit einer islamistischen Organisation gehöre sich nicht für den Regierungschef einer laizistischen Republik. Milli Görüs wird vom deutschen Verfassungsschutz beobachtet. Der türkische Regierungschef argumentiert, er wolle sich um alle Auslandstürken kümmern. Deshalb könne Milli Görüs nicht ausgeklammert werden. Es ist das erste Mal, dass sich ein türkischer Ministerpräsident mit Vertretern der mitgliederstarken Organisation der Auslandstürken trifft. In der Pressestelle der türkischen Botschaft hieß es zum Treffen lediglich: „Wir haben alle großen Organisation eingeladen, die nicht gegen den türkischen Staat sind.“

Der Einladung wird unter anderem auch die liberale TürkischDeutsche Unternehmervereinigung Berlin-Brandenburg folgen. „Uns interessiert nicht, wer außer uns noch eingeladen ist“, sagte der Vorsitzende Bahattin Kaya dem Tagesspiegel. Ihm ginge es darum, einem türkischen Ministerpräsidenten zu erzählen, was türkische Unternehmer hierzulande beschäftigt. Dienstagabend feiert Erdogan die Eröffnung der Berliner Dependance der türkischen Industriellen-Vereinigung „Tüsiad“ im Hotel Adlon zusammen mit Bundesinnenminister Otto Schily (SPD). Am Mittwoch trifft sich Recep Tayyip Erdogan mit der Vereinigung der islamischen Unternehmer „Müsiad“. Journalisten dürfen während der Gespräche nicht dabei sein.suz

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