Berlin : Im Unwetter fielen 779 Ampeln aus

Manche streikten bis gestern, Elektronik-Geräte gingen kaputt. Menschen wurden nicht verletzt

Jörn Hasselmann

Hoher Sachschaden, aber keine Verletzten – das ist die Bilanz des Unwetters, das sich in der Nacht zu Mittwoch über Berlin austobte. Die Feuerwehr löste um 21.40 Uhr den Ausnahmezustand aus, weil zu dieser Zeit die Zahl der Einsätze massiv in die Höhe schnellte. Bei zwei Häusern brannte nach Blitzeinschlag das Dach: bei einer Villa in der Hammerstraße in Zehlendorf und einem Haus in der Gatower Straße in der Spandauer Wilhelmstadt. Auch bei diesen Feuern hatten sich die Bewohner in Sicherheit bringen können. Zudem stürzten in Französisch-Buchholz und in Rosenthal zwei Strommasten um. Die meisten der 170 Wetter-Einsätze waren Wasserschäden (124). 36 Bäume waren umgestürzt oder es waren Äste abgebrochen, in neun Fällen mussten Dächer oder andere Bauteile gesichert werden.

Autofahrer spürten die Auswirkungen des Unwetters noch bis in die gestrigen Nachmittagsstunden. 779 Ampeln waren durch Blitzschlag, Wassereinbruch oder Spannungsschwankungen ausgefallen – das ist etwa jede dritte Berliner Ampel. In der Regel sprangen die Ampeln nach einiger Zeit automatisch wieder an. Viele mussten aber auch von Monteuren wieder zum Leuchten gebracht werden. Gestern Mittag waren 40 Kreuzungen immer noch nicht wieder ampelgeregelt. Das veraltete Ampelsystem ist gegen Spannungsschwankungen empfindlich.

Verbunden war die Gewitterfront mit Windböen der Stärke 8 bis 9. In einigen Bezirken fiel sehr viel Regen, so gingen in Buch innerhalb weniger Stunden 25 Liter Regen pro Quadratmeter nieder, in Tegel waren es 22 Liter. Die Feuerwehr war rechtzeitig informiert worden, da der Deutsche Wetterdienst (DWD) zuvor eine Unwettervorwarnung für Berlin und Brandenburg ausgesprochen hatte. Die Feuerwehr hat seit vergangenem Jahr direkten Zugriff auf den Wettercomputer des DWD. Um 1 Uhr früh wurde der Ausnahmezustand beendet.

In vielen Haushalten begann er gestern erst. Denn in vielen Wohnungen hatten sich elektronische Geräte wie Fernseher, Computer oder Telefone mit einem kurzen Flackern für immer verabschiedet – durch Spannungsspitzen im Netz (siehe Kasten). Nach Angaben der Zeitung Finanztest tragen Hausratversicherungen nach Blitzschlägen in der Regel den Schaden.

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