• „Im Vorstand wusste jeder, was die Immobilientöchter da machten“ CDU-Fraktionschef Nicolas Zimmer über riskante Fondsgeschäfte

Berlin : „Im Vorstand wusste jeder, was die Immobilientöchter da machten“ CDU-Fraktionschef Nicolas Zimmer über riskante Fondsgeschäfte

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Der CDUFraktionsvorsitzende Nicolas Zimmer (33) ist Mitglied im Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Bankenaffäre. Dort prangert er auch Sünden eigener Parteifreunde an und ärgert sich bei vielen Zeugen über den „kollektiven Gedächtnisverlust“.

Herr Zimmer, Berlin bürgt für die Fondsgeschäfte der Bank und muss im Ernstfall für bis zu 21,6 Milliarden Euro aufkommen. Derzeit sind die Verluste aus Fondsgeschäften aber so gering, dass die Bank sie selbst ausgleichen wird. Was ist Ihr Bild der Affäre?

Man wollte hier dem Ganzen eine politische Dimension beimessen. Personelle Konsequenzen hätten aber ohnehin gezogen werden müssen. Dennoch war es richtig zu beziffern, was im schlimmsten Fall auf Berlin zukommen kann.

Der Ausschuss nimmt vor allem die früheren Immobiliendienstleistungen der Bankgesellschaft unter die Lupe. Größere Verluste kamen aber bei normalen Bankgeschäften wie Kreditvergaben oder Börsengeschäfte zustande. Sind Sie auf dem Holzweg?

Wenn ein schlechtes Händchen für Geschäfte allein ausschlaggebend gewesen wären, dann hätte der Ausschuss nicht viel zu ermitteln. So ungewöhnlich sind fehlgeschlagene Kredit- und Börsengeschäfte nicht. Die Immobilienkredite dagegen bieten anschauliche prominente Einzelfälle. Zum Beispiel die Nähe eines bekannten Berliner Bauträgers zur CDU. So etwas lieferte die parteipolitische Motivation, die Affäre loszutreten. Bei der Bankgesellschaft war schon zuvor vieles schief gelaufen. Doch die Aufdeckung der Missstände begann erst, als jemand diesen Hebel entdeckt hatte. Dadurch konnte man Landowsky und die Koalition kippen. Danach war die Büchse der Pandora offen. Das Ganze hatte seinen politischen Wert. Das war Rechtfertigung genug. Das soll nicht heißen, dass die Aufklärung nicht weitergeführt werden sollte, es erklärt aber gewisse Entwicklungen.

Gibt es bei den Immobilientöchtern oder in anderen Bereichen der Bank ähnlich umstrittene Entscheidungen wie die Kredite an die Firma Aubis durch die Berlin-Hyp?

Die Fondsproduktion war ein überhitztes System. Im Konzernvorstand wusste jeder, was die Immobilientöchter da machten. Man wollte einen Konzern aufbauen. Da war alles gut, was Größe und Umsatz beschert. Die Fonds- und Immobiliengeschäfte haben viel mit Erwartungen zu tun. Und die Grenze zwischen Erwartungen und Fakten sind im Geschäftsleben ebenso schwer zu ziehen wie zwischen Leichtsinn und Virtuosität. Dennoch hätte man diese Geschäfte nicht betreiben dürfen, weil jeder wusste, dass am Ende der Steuerzahler dafür einstehen muss.

SPD–Fraktionschef Michael Müller hatte gefordert, dass der seit 1998 für die Risikokontrolle zuständige Vorstand Norbert Pawlowsky gehen muss. Schließen Sie sich an?

Es gibt kein nachvollziehbares Argument, warum man Herrn Pawlowsky weiter beschäftigt, außer vielleicht die Kosten einer vorzeitigen Vertragsauflösung. Wie sollte man Vertrauen in die Fähigkeiten eines Chefcontrollers haben, der nicht rechtzeitig auf die Milliarden-Risiken hingewiesen hat? Außerdem hat er das Controlling bei der Bankgesellschaft nach eigenen Aussagen bis heute nicht vollständig aufgebaut.

Das Gespräch führte Ralf Schönball.

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