Berlin : Im Wahn stieß Mcjonny A. die Frau auf die Gleise

Richterin erklärte U-Bahn-Schubser für schuldunfähig und wies den 28-Jährigen dauerhaft in die Psychiatrie ein

Kerstin Gehrke

Der menschlichen Voraussicht seien Grenzen gesetzt, sagte die Vorsitzende Richterin. So ein aggressiver Ausbruch wie der des psychisch kranken Mcjonny A. seien Schicksalsschläge. Der 28-jährige Mann hatte am 17. August 2002 auf dem U-Bahnhof Paradestraße (Tempelhof) eine 25-jährige Studentin vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Gestern ordnete das Berliner Landgericht seine dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Auch nach einem Jahr intensiver Behandlung sei er für die Allgemeinheit gefährlich, begründete die Richterin.

Der aus Guinea stammende Beschuldigte sei auf Grund einer paranoiden Schizophrenie schuldunfähig, hieß es im Urteil. Er habe geglaubt, die Stimme des Teufels spreche zu ihm, erteile ihm den Auftrag, die Frau zu töten. In seinem Wahn gefangen sei er ganz gezielt von hinten an die Studentin herangetreten. Die Kreuzbergerin wurde von der Bahn erfasst, fiel zwischen Gleis und Bahnsteig. Sie erlitt schwerste Kopfverletzungen und zahlreiche Knochenbrüche. Mcjonny A. blieb stehen und kommentierte die Tat mit wirren Worten. Der dritte Prozess gegen einen U-Bahn-Schubser in diesem Jahr war von der Frage bestimmt, ob das furchtbare Unglück zu vermeiden gewesen wäre. Der drogenabhängige Asylbewerber war schon zuvor mehrfach in stationärer psychiatrischer Behandlung gewesen. Am Tag vor der Tat wurde er gegen seinen Willen aus der Psychiatrie des Kreuzberger Urban-Krankenhauses entlassen. „Das ist mein Zuhause“, soll er gerufen und dabei heftig randaliert haben.

Für das Gericht stand fest, dass ein solcher aggressiver Ausbruch wie auf dem U-Bahnhof nicht vorhersehbar gewesen sei. „Wir können uns nur bemühen, die Netze so dicht zu machen, dass niemand durchfällt“, sagte die Richterin.

Wie Mcjonny A. war Anfang Juli auch Dennis P. (25), der im Dezember 2001 den Zeitsoldaten Arkadius M. vor einen Zug gestoßen hatte, in die Psychiatrie eingewiesen worden. M. verlor einen Arm, das linke Bein wurde ohne Knie wieder angenäht. Ende Juli wurde U-Bahn-Schubser Waldemar O. wegen versuchten Mordes zu 13 Jahren Haft verurteilt. Im Dezember 2002 hatte er den damals 22-jährigen Thiemo K. am U-Bahnhof Zwickauer Damm vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Thiemo K. verlor beide Unterschenkel.

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