Berlin : Im Zeichen der Badehose

Sanierung eines ersten Gebäudes im Strandbad Wannsee fast abgeschlossen

Helmut Caspar

Bei der längst überfälligen Sanierung des Strandbads Wannsee, die in diesem Jahr unter der Regie der Stiftung Denkmalschutz Berlin in Angriff genommen wurde, steht der erste Bauabschnitt kurz vor seiner Vollendung. Mitte Oktober sollen die Arbeiten an dem Gebäude A samt Umkleidekabinen und einem Sonnendeck abgeschlossen sein. Es ist das nördlichste der aus drei Gebäuden bestehenden Zeile. Wie die anderen hat es eine Stahlkonstruktion mit gelber Ziegelstein-Verblendung. Da das Metall recht gut erhalten ist, musste es nur an einigen Stellen konserviert werden.

Während Haus A bei laufendem Badebetrieb saniert wurde, werden die Arbeiten an dem mittleren Gebäude B in der Wintersaison erledigt. Hier müssen unter anderem der geflieste Fußboden des Sonnendecks sowie Geländer und Treppen erneuert und die Stahlkonstruktion saniert werden.In einem schlimmen Zustand befindet sich das Haus C, dessen Wandelgänge und Umkleidekabinen einem Eisengerippe nicht unähnlich sind. Die Konstruktion muss komplett saniert und wie früher mit den gelben Ziegelsteinen ummantelt werden.

Helmut Engel, ehemals Berliner Landeskonservator, nunmehr Geschäftsführer der Stiftung, hofft, die Sanierung des Bades bis zu seiner 100-Jahr-Feier 2007 bewältigen zu können. Unklar ist noch die Zukunft des seit Jahren stillgelegten Strandrestaurants „Lido“, das die Anlage im Süden abschließt. Hierfür wird ein Betreiber gesucht, der die Auflagen des Denkmalschutzes erfüllt und, wie Engel sagt, „ein Herz für die im Strandbad Wannsee steckenden Werte hat.“

Das Strandbad Wannsee, auch außerhalb Berlins bekannt durch den Schlager von 1950 „Pack die Badehose ein“, setzt eine Badetradition fort, die dort schon zur Kaiserzeit begonnen hatte – Männer und Frauen selbstverständlich getrennt. Im Zuge der Lebensreformbewegung wurde das Naturbad am Wannseestrand immer populärer. Tausende Badegäste brauchten Umkleidekabinen, sanitäre Anlagen und einen Wetterschutz. Die um 1924 errichteten kleinen Holzhäuser mit Reetdächern genügten bald nicht mehr, so dass der Berliner Stadtbaurat Martin Wagner um 1928 Pläne für ein „Weltstadtbad“ mit Umkleidehäusern und Duschen, einem Restaurant und anderen Bauten entwarf. Auch das repräsentative Eingangsgebäude wurde gebaut, nachdem das vorherige abgebrannt war.

Leider blieb das Projekt bald darauf in der Weltwirtschaftskrise stecken. Nur etwa die Hälfte der von Wagner geplanten Gebäude wurde realisiert. Die Nationalsozialisten zeigten wenig Interesse, die Zeugnisse des von ihnen verpönten „Neuen Bauens“ zu vollenden.

Der Zweite Weltkrieg hinterließ keine größeren Schäden. Viel hat man danach in die Pflege der untereinander durch Wandelgänge verbundenen Bauten nicht mehr investiert. Die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten blieben in den 1990er Jahren unvollendet. So kommt es, dass sich die Bauten heute in einem zum Teil erbärmlichen Zustand befinden, zum Teil sogar baupolizeilich gesperrt sind.

Hilfe kam nun von der Stiftung Denkmalschutz. Bekannt geworden durch die Restaurierung des Brandenburger Tors, des Charlottenburger Tors und jetzt auch der Fassade des Alten Palais’ Unter den Linden, hat die Stiftung bereits eine Menge Geld mobilisiert, um das Strandbad Wannsee wieder in einen vorzeigbaren Zustand zu versetzen, wie ihr Geschäftsführer Helmut Engel betont. „Wir wollen uns nicht mit der Behauptung abfinden, es gebe kein Geld für das Strandbad, das so wunderbar Natur, gesunde Lebensweise und Architektur verbindet. Man muss die Leute nur richtig ansprechen und sie informieren, um welche Perle der Moderne es sich handelt. Inzwischen bekommen wir Spenden vom Euro bis zu mehrstelligen Summen, suchen aber nach weiteren Sponsoren“, sagt der Denkmalschützer. Auch ABM-Kräfte wurden bereits eingesetzt. Um die Sichtachsen zum Wasser wiederherzustellen, wurde durch sie bereits wild wachsendes Unterholz beseitigt. Allerdings müssen da und dort noch Bäume gefällt werden, sofern sie den malerischen Blick auf den Wannsee verstellen.

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