Berlin : Im Zeichen der Schleife

Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Prominente kauften Lose im Szeneclub 90 Grad und gingen in den Potsdamer-Platz-Arkaden Spenden sammeln.

Constance Frey

Dieses Wochenende haben sich viele Prominente rot angestrichen – vielleicht sogar mit einer roten Schleife markiert. Denn sie engagieren sich vor dem Welt-Aids-Tag am 1. Dezember für die Aids-Hilfe. Am Freitag startete die Serie von Benefizveranstaltungen im 90 Grad. Der Club organisierte mit Party-Veranstalterin Britt Kanja und dem Szenecafé Berio eine Tombola. Die 600 Gäste zahlten 10 Euro Eintritt und bekamen dafür ein Los. Drinnen verkauften Hostessen und Prominente weitere orangene und blaue Zettel, etwa 400 insgesamt: 5000 Euro kamen zusammen.

Im weißen Salon sind die Wände mit großen roten Schleifen ausgeleuchtet. Die trägt an diesem Abend jeder an Hose, Jackett oder Rollkragen. Visagist René Koch plaudert mit Barbara Schöne, Elvira Bach lächelt mit Britt Kanja in die Kamera, und Alba-Vorstand Peter Kurth macht es sich auf der Empore gemütlich. Nach und nach füllen sich die drei Räume des Clubs. Ab Mitternacht drängeln sich die Gäste zu den Kästen, in denen der Berg von Losen immer weiter wächst.

Was man gewinnen konnte, wussten allerdings die wenigsten. Darum geht es ja eigentlich auch gar nicht. „Die Krankheit ist lange nicht gebannt“, sagt Elvira Bach, „die jungen Leute müssen ein anderes Bewusstsein bekommen.“ René Koch verkauft an diesem Abend keine Lose. „Ich bin mehr ein Motivator hier.“ Für ihn ist die Geste der Solidarität wichtig. „Die Menschen sollten alle am Aids-Tag die rote Schleife tragen. Es macht nichts, wenn sie nichts spenden können.“ Barbara Schöne macht die neue Leichtsinnigkeit der Jugend Sorgen. „Viele glauben, es gäbe Mittel gegen Aids. Dabei helfen die Medikamente nur, die Krankheit erträglicher zu machen. Und die Begleiterscheinungen sind schrecklich.“

Am Sonnabend wimmelt es in den Potsdamer-Platz-Arkaden nur so vor roten Schleifen – sogar die Polizei bekennt Farbe. Die Gesellschaft vom Vorabend ist wieder zur Stelle: Peter Kurth, Barbara Schöne, René Koch, aber auch Georg Preuße, Judy Winter, Klaus Wowereit und Hanna-Renate Laurien. Sie geht trotz Erkältung Gelder sammeln. „Was soll denn daran schwer sein?“ Ihr Motto: „Es sollte eher rascheln als klappern.“ Zielstrebig schiebt sie sich durch den samstäglichen Besucherandrang. „Eine kleine Spende für die Aidshilfe!“ Viele haben allerdings schon anderweilig gespendet, zum Beispiel der Weihnachtsmann, der Barbara Schöne fünf Euro in die Büchse drückt. Seit drei Jahren ist Hanna-Renate Laurien in der Berliner Aids-Hilfe Kuratoriumsmitglied. Ihr ganz persönlicher Beitrag: Alle sechs Wochen lädt sie an Aids Erkrankte zum Abendessen ein. „Es ist wichtig, sich nicht abzuwenden, sondern Ja zur Information zu sagen.“ Mit dem Taxi fährt sie nach Ende der Aktion nicht nach Hause. „Das Geld spare ich lieber und spende es der Dritten Welt.“ Am Montagabend treffen sich die Prominenten wieder im Zeichen der Roten Schleife – zur Benefizgala im Theater des Westens.

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