Berlin : Im Zeichen des Arbeitskampfes

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Es sei selten, rief Klaus Zwickel ins Mikrofon vor dem Roten Rathaus, dass „der höchste Feiertag der Arbeiterschaft mit einem Arbeitskampf zusammenfällt“. Am Mittwoch aber war es so: Der 1. Mai fiel zwischen die Bekanntgabe der Ergebnisse der Urabstimmung der Metaller am Dienstag und den Streik, dessen Beginn IG-Metall-Chef Zwickel für nächsten Montag ankündigte. Genau der richtige Tag also für die Gewerkschaften, noch einmal Muskeln zu zeigen. 25 000 sollen es nach ihren Angaben gewesen sein, die am Vormittag vom Brandenburger Tor zum Roten Rathaus gezogen waren. „25 000, da kann man nicht meckern“, kommentiert Kollegin Elke Swolinski, die mit ihrer roten Kappe der IG BCE (Bergbau, Chemie, Energie) ansonsten wenig kampfeslustig ist: Ihre Gewerkschaft hat sich mit den Arbeitgebern schon geeinigt.

Die Metaller aber wollen mehr als diese 3,3 Prozent Lohnerhöhung. Der Reim auf dem Pappschild am Info-Stand ist eindeutig: „2 % sind der Hohn – 6,5 % mehr Lohn!“ Das ist die Forderung, und Zwickel nennt sie „bescheiden“. Schließlich hätten sich die Manager der 30 größten Unternehmen zwischen 1998 und 2000 Gehaltserhöhungen von 64 Prozent gegönnt. „Wir wollen nur ein Zehntel davon!“ rief Zwickel, und erklärte den gesamtwirtschaftlich Besorgten unter seinen Zuhörern: „Wir streiken den Aufschwung nicht kaputt! Wir brauchen mehr Geld, um den Aufschwung zu fördern!“ Und: „Der Preis für gute Arbeit muss wieder stimmen! Das wird keine Verzichtsrunde, meine Herren Arbeitgeber!“

Sehen können den Gewerkschaftsführer nur wenige seiner Mitstreiter: Zu viele rote Fahnen und Transparente umringen die Bühne – und sind zu Beginn der Rede auch nur wenig gesenkt worden: „damit die Fernsehkameras uns gut übertragen können“. Folgt die Basis dennoch in der Kampfeslust? Ein Kollege von BMW in Spandau: „Klar streiken wir! Wir lassen uns von den Unternehmern nicht länger abzocken.“ Glaubt er wirklich, dass 6,5 Prozent erreicht werden? „Na Sie wissen doch, wie das ist. Aber vier sollten am Ende schon rauskommen.“ Wenn denn bei BMW überhaupt gestreikt wird: In Berlin-Brandenburg soll der Arbeitskampf erst in der übernächsten Woche beginnen. Welche Betriebe dann bestreikt werden, ist auch noch unbekannt.

Klar ist für Zwickel aber: „Macht muss mit Gegenmacht beantwortet werden. Sonst gehen wir unter!“ Applaus. Darin dürften sie sich alle einig sein, die hier die Arbeiterbewegung vertreten, die Gewerkschafter und die Sozialisten, Kommunisten, Maoisten, all die Gruppen und Grüppchen: Sie sind die Gegenmacht. Und trinken nun, nach getaner Demonstration, weil schönes Wetter ist und der 1. Mai, ein Bierchen von einem der Schankstände. how

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