Berlin : Im Zeichen des schwarzen C

Der SC Charlottenburg feiert seinen 100. Geburtstag

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Eigentlich ist der Sport-Club Charlottenburg weit mehr als ein Leichtathletikverein. Die 4000 Mitglieder des SCC verteilen sich auf 20 Abteilungen. Erfolgreich sind neben den Leichtathleten vor allem die Volleyballer. Die Männer wurden Pokalsieger und Deutscher Meister. Und trotzdem: Die Leichtathletik-Abteilung war und ist das Zentrum des Vereins, der am Sonntag seinen 100. Geburtstag feierte.

Schon immer spielten die Läufer eine zentrale Rolle. 1908 gewann der SCC die erstmals veranstaltete 25-km-Staffel von Potsdam nach Berlin. 50 Läufer benötigten 1:08:06 Stunden. Auch den ersten deutschen Meistertitel für den SCC holte ein Läufer: 1908 siegte Paul Nettelbeck über 1500 m in 4:22,8 Minuten. 1926 wurde bei einem SCC-Sportfest ein Weltrekord gelaufen. Im überfüllten Stadion an der Avus gewann Otto Peltzer (Stettin) sensationell die 1500 m in 3:51,0 Minuten und besiegte einen der größten Langstreckenläufer aller Zeiten, den Finnen Paavo Nurmi. Doch für den bis heute größten SCC–Erfolg sorgte ein Speerwerfer: Gerhard Stöck holte 1936 Olympia-Gold.

Ein Jahr später hatte das Istaf im Olympiastadion vor 80 000 Zuschauern Premiere. Bis 2001 organisierte der SCC dieses Sportfest gemeinsam mit dem BSC und dem OSC. Heftige interne Querelen in Verbindung mit großen Verlusten führten aber dazu, dass im April 2002 die Istaf GmbH Insolvenz anmelden musste. Inzwischen organisiert eine neue Gesellschaft das Leichtathletik-Meeting.

Die große Zeit der Läufe begann für die Charlottenburger in den Sechzigerjahren. Maßgeblichen Anteil daran hatte Horst Milde. Als Mittelstreckenläufer wurde er 1964 in der 3x1000-m-Staffel des SCC Deutscher Meister. Noch im selben Jahr startete Milde mit seinen Helfern am 8. November 1964 im Grunewald den ersten Crosslauf. Es war die Geburtsstunde des Volkslaufes in Deutschland. Entwickelt hat sich aus der Initiative von 1964 allen voran der Berlin-Marathon – aber auch der Halbmarathon oder der Frauenlauf setzten in Deutschland Maßstäbe. Seit 1964 hatte der SCC knapp 1,1 Millionen Starter bei 323 Laufwettbewerben.

Nach der Wende stießen Topläufer der untergegangenen DDR zum SCC. Mittelstreckenläufer Jens-Peter Herold, der deutsche Marathon-Rekordhalter Jörg Peter und Uta Pippig, die als erste deutsche Athletin den New-York-Marathon gewann sowie je dreimal die Rennen in Berlin und Boston, starteten für den Klub mit dem schwarzen C als Symbol. 1998 wurde Damian Kallabis Europameister über 3000 m Hindernis. Während der Leistungssport aus Kostengründen inzwischen zurückgeschraubt wurde, boomen die Läufe wie nie zuvor. In der Leichtathletik-Abteilung gab es aber im Sommer Querelen bei Finanzierungsfragen zum Thema Berlin-Marathon , die zum Rücktritt des ganzen Abteilungs-Vorstands führten. Dennoch wird heute erst festlich und dann ausgelassen der 100. Geburtstag gefeiert. Frank Bachner/Jörg Wenig

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