Berlin : Im Zeichen des Totenkopfs

Daumen rauf, Daumen runter: Arnold Schwarzenegger und 2000 geladene Gäste feierten die Europapremiere von „Terminator 3 am Potsdamer Platz

Andreas Conrad

Werden noch Köpfe rollen an diesem Abend? Macht es später, auf dem Höhepunkt der Premierenparty zu „Terminator 3“, plötzlich plopp, und all die Totenschädel, die den Auflauf unterm Sony-Zelt aus bunt leuchtenden Augenhöhlen überblicken, poltern zu Boden? Spontan könnte ein makabres Fußballspiel beginnen, das würde zur „Rebellion der Maschinen“ prima passen.

Aber wahrscheinlich wird daraus ja doch wieder nichts. Bei drohendem Weltuntergang, selbst im Kino, ist niemandem nach Fußball zumute und Premierengästen auf dem roten Teppich sowieso nicht, sie mögen wie an diesem Abend Barbara Schöneberger, Dunja Rajter, René Kollo oder Udo Kier heißen. Und die silberbeschlagenen Stiefel von Arnold Schwarzenegger, der doch den Mannschaftskapitän mimen müsste, sind fürs Kicken ohnehin ungeeignet.

Konzentrieren wir uns also lieber auf Arnies Daumen. Früher konnte man sich auf ihn verlassen. Meist war es der rechte, siegesgewiss nach oben gereckt, bei Bedarf kam der linke dazu. Als Erkennungsmerkmal erfüllte der Daumen für Schwarzenegger die gleiche Funktion wie der gereckte Zeigefinger für Lehrer Lempel, der Mittelfinger für … nun, schweigen wir davon … oder das Victory-Zeichen für Churchill. Das galt noch bei der Weltpremiere von „Terminator 3“ Ende Juni in Los Angeles, es galt wenig später beim Besuch in Japan, doch in Berlin gilt es anfangs nicht. Weder vormittags in der Pressekonferenz noch beim anschließenden Fototermin. Erst wieder am Abend vor dem Kino Cinestar schnellt der Finger nach oben. Vielleicht seltener als gewohnt, aber immerhin, und dies vor dem alles entscheidenden Publikum, auf dass es nicht – „Arnie, you are terminated!“ – seinen Daumen plötzlich nach unten zeige. Allerdings: Nur wenige Fans erhaschen wegen der weiträumigen Absperrungen einen Blick auf den leibhaftigen Arnold.

Doch Daumen hin, Daumen her: Wenige Stunden zuvor im Hotel, im Angesicht der Medienfront, setzt Schwarzenegger fern jeder Kumpelhaftigkeit auf dezente Gesten und verhaltene Mimik. Ohne dieses kantige Terminatorgesicht hätte das fast etwas Staatsmännisches. Eine neue Rolle wird eingeübt, Starttermin ungewiss.

Vielleicht ist dieser Wechsel in der Körpersprache noch das Wichtigste in den knapp 45 Minuten, die Schwarzenegger, unterstützt von Regisseur Jonathan Mostow und Terminatrix Kristanna Loken, im Four Seasons Rede und Antwort steht. Vielleicht sagt es mehr über seine Ambitionen als alle Worte zu Terminator, Karriere, Leben. Fleißig notiert werden sie natürlich trotzdem, beispielsweise Anekdoten über die Dreharbeiten, bei denen sich Schwarzenegger erstmals einem weiblichen Gegner gegenüber sah. Nichts weniger als einen Reflex der realen Welt, der neuen Rolle der Frau sieht er darin, aber es stellte ihn bei den Kampfszenen doch vor ein ungewohntes Problem: „Ich wusste nicht, wo ich bei Kristanna zupacken sollte, um sie gegen eine Wand zu schleudern.“ Auch Arnies Überlegungen zum jahrzehntelangen Erfolg der Terminator-Figur bedienen die Neugier von Medien und Fans mit gewohnter Routine. Will nicht jeder gerne mal ein kleiner Terminator sein?

Nicht mal durchs Alter, jedenfalls vorerst nicht. Klar, es gibt Dicke wie Marlon Brando, aber für Schwarzenegger gilt: „Älter werden hat nicht unbedingt etwas mit dick werden zu tun.“ Regelmäßiges Training, gesundes Essen – dann geht das schon noch eine ganze Weile. Vielleicht sogar bis „Terminator 4“, Schwarzenegger will das nicht ausschließen. Aber erst mal müsse der Erfolg des zweiten Teils erreicht werden, dann sehe er weiter.

Was er an seinem Leben ändern würde, wenn das Ende der Welt bevorstünde? Selbstzweifel, Rückzug auf die Familie? Nicht mit Arnie. Nicht bei einem so glücklichen, erfüllten Leben, wie er es führe, das ihn jeden Tag freudig beginnen lasse. „Nichts würde ich ändern.“ Beneidenswert.

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