Berlin : Im Zeittunnel

Stefan Jacobs

Kundenorientierte Unternehmen wissen, dass Kunden Transparenz schätzen. Nirgends wird diese Devise so strikt befolgt wie bei der Bahn, die bereits das abweisend spiegelnde Glasdach des Hauptbahnhofes zugunsten der maximal transparenten Freiluft-Konstruktion verkürzt hat. Dank der „dynamischen Zugzielanzeiger“, die an vielen Stationen ihre unflexiblen statischen Artgenossen ersetzen, wurde nun die nächste Transparenzstufe erreicht: „Werte Fahrgäste, bitte beachten sie, daß die Uhr Gleis 11 Höhe Aufsicht 8 min nachgeht!“, war gestern am Südkreuz zu lesen, auf der Anzeige unter der Uhr am Gleis 11 Höhe Aufsicht.

Früher wäre der Missstand verschwiegen worden, die Aufsicht hätte brüsk aufs Zifferblatt gezeigt und dem Reisenden gesagt, wat soll’n det heißen, Vaspätung? Noch früher hätte man einfach die Uhr gestellt, aber das ist eine andere Geschichte.

Im Bemühen um bedingungslose Kundenorientierung hat die Bahn aber die einmalige Chance vertan, die Pünktlichkeitsquote nach der jeweiligen Verspätung durch flexible Angleichung aller Uhren drastisch zu erhöhen. Falls dann mal etwas nicht klappt, muss es heißen: „Werte Fahrgäste, bitte beachten Sie, dass die Uhr Gleis 11 Höhe Aufsicht richtig geht.“

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