Berlin : Im Zickzack

Der Techno-Umzug war erledigt – da tauchte ein neuer Geldgeber auf. Soll die Massenparty wieder stattfinden? Pro & Contra

Lars von Törne

Die Loveparade 2006 ist rundum gelungen, 200 000 Technofans brachten die Straßen zum Beben. Diese Erfolgsmeldung empfängt den Besucher auf den Seiten der Loveparade GmbH im Internet (www.loveparade.de). Kleiner Haken: Hier geht es nicht um die Straße des 17. Juni in Berlin, sondern um die Prachtstraße Alameda in Santiago de Chile. Dort wurde kürzlich einer von mehreren internationalen Ablegern – unter anderem San Francisco, Acapulco, Kapstadt, Wien – des Umzugs gefeiert.

Dagegen ist am Ursprungsort der Parade von Feierstimmung nichts zu spüren. Zu unsicher ist die Zukunft der vor 17 Jahren von Discjockey Dr. Motte gegründeten Straßenparty. In den vergangenen beiden Jahren musste sie mangels Sponsoren ausfallen. Auch mehrten sich Zweifel, ob das Konzept, das in den späten 90ern mehr als eine Million Fans elektronischer Tanzmusik anzog, noch zeitgemäß ist. Und dann war auch noch der Loveparade-Partner Planetcom Pleite gegangen, der für dieses Jahr den exklusiven Paradenvertrag mit dem Senat hat.

Nach diesen Misserfolgsmeldungen hatte sich die Öffentlichkeit von dem Spektakel verabschiedet. Eine engagierte Gruppe von Fans elektronischer Beats machte sich derweil mit großem Aufwand daran, einen Nachfolger-Umzug namens B-Parade vorzubereiten, die Erbfolge schien geregelt. Da geschah das Unerwartete: Der Chef der bundesweit agierenden Sportstudiokette „McFit“ stieg bei der Loveparade ein, holte mit einer Geldspritze die insolvente Planetcom zurück ins Boot und ließ den längst totgesagten Umzug durch den Tiergarten gerade noch rechtzeitig bei den Behörden anmelden, um das Vorgriffsrecht auf den 15. Juli wieder zu beanspruchen.

So schnell wollen die Verwalter des weltweit bekannten Markennamens den Bezug zum Ursprungsort offenbar nicht aufgeben. Die Loveparade braucht Berlin – aber braucht Berlin die Loveparade? Im Senat freut man sich einerseits, dass eine erfolgreiche Berliner Marke jetzt vielleicht mit neuem Leben gefüllt wird. Andererseits gibt es große Zweifel, dass die Veranstalter nach zwei peinlichen Pleiten diesmal genug Geld zusammenbekommen, um die geschätzten zwei Millionen Euro zu bezahlen, die der Umzug samt Reinigungskosten verschlingt. Dazu kommt, dass man sich in Teilen des Senats und in der Tourismuswerbung bereits darauf eingestellt hatte, in diesem Jahr der B-Parade eine Chance zu geben.

Noch mag niemand vorhersagen, ob und was am 15. Juli zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor gefeiert wird. Eine salomonische Lösung könnte so aussehen, dass die Planer der Loveparade und die potenziellen Nachfolger vom B-Parade-Team ihre Fähigkeiten – und ihre Sponsoren – zusammenlegen. „Da könnte man drüber reden“, sagt Ralf Lipus, Sprecher der B-Parade-Planer, die seit zwei Jahren an ihrem Projekt arbeiten und sich jetzt nicht einfach so von der zwischendurch offiziell abgemeldeten Loveparade verdrängen lassen wollen. Wie kompromissbereit die Loveparade-Veranstalter sind, dürfte vom Ausgang ihrer Sponsorensuche abhängen. Ende Februar will der neue Geschäftsführer, „McFit“-Chef Rainer Schaller, sich erstmals dazu äußern.

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