Berlin : Image ist alles – aber zuweilen falsch

Wie Unternehmer aus Deutschland und Osteuropa Berlin sehen

Dagmar Rosenfeld

Wenige Monate vor der Osterweiterung der Europäischen Union wollte die Marketingagentur Partner für Berlin wissen, wie es um das Image Berlins als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort steht. Schließlich ist die EU-Erweiterung eine Chance für Berlin, die künftige Ost-West-Drehscheibe in Europa zu werden. Das will auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit zu einem zentralen Thema in seiner Neujahrsansprache machen. Die Berliner sollten die Chancen nutzen, die sich aus dem Zusammenwachsen Europas für sie ergeben.

Partner für Berlin hat daher in einer Studie Unternehmer aus Deutschland, Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei sowie 200 deutsche Wissenschaftler befragt. Ergebnis Nummer eins: Das Image Berlins wird sowohl von den Osteuropäern als auch den Deutschen recht positiv eingeschätzt. Vor allem wegen seiner zentralen Lage innerhalb Europas und seiner Nähe zu den osteuropäischen Ländern sei Berlin ein bedeutender Wirtschaftsstandort. Ergebnis Nummer zwei: Das Berlin-Bild der Befragten stimmt häufig mit der tatsächlichen wirtschaftlichen Situation nicht überein. Dass die Hauptstadt mittlerweile zu den führenden deutschen Standorten in den Branchen Biotechnologie, Medizin- und Verkehrstechnik gehört, wird weder von deutschen noch osteuropäischen Unternehmen wahrgenommen: Alle drei Branchen liegen in der Bewertung der Standortqualität Berlins auf den hinteren Plätzen.

Eine Erklärung für dieses Ergebnis ist sicherlich, dass die Image-Studie nicht auf Fakten basiert, sondern auf den persönlichen Einschätzungen der Befragten. Sie sollten in einem telefonischen Interview spontan ihre Assoziationen zu den einzelnen Themen nennen.

Dennoch bleibt offen, warum die wirtschaftlichen Stärken Berlins in Deutschland und Osteuropa nicht wahrgenommen werden. „Klar ist zumindest, dass wir am wirtschaftlichen Image Berlins noch arbeiten müssen“, sagte Friedrich-Leopold von Stechow, Geschäftsführer von Partner für Berlin. Das zeige auch die Aussage der Unternehmer, das Kostenniveau in Berlin sei zu hoch. Verglichen mit anderen deutschen Regionen, seien in Berlin die Lohn- und Mietkosten niedrig. „Offensichtlich haben sich die wirtschaftlichen Vorteile Berlins noch nicht herumgesprochen“, sagt auch Christoph Lang, Sprecher der Senatsverwaltung für Wirtschaft. Daher seien die Ergebnisse der Studie für Senator Harald Wolf (PDS) wichtig. So könne er bei seinen Osteuropa-Reisen künftig gezielter für Berlin werben.

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