Imagekampagne : Ordnungsämter wollen sympathisch werden

Senat und Bezirke starten eine Imagekampagne für die Ordnungsämter. Die könnte ohne zusätzliches Personal nach hinten losgehen, fürchten Kritiker, die auch aus den eigenen Reihen kommen.

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Nebulös. Viele Bürger kennen die Aufgaben des Ordnungsamtes nicht. Andere werden sauer, wenn sie beispielsweise für illegales Grillen Strafe zahlen sollen.
Nebulös. Viele Bürger kennen die Aufgaben des Ordnungsamtes nicht. Andere werden sauer, wenn sie beispielsweise für illegales...Foto: dpa

Was die flotten Feger von der BSR schon geschafft haben, soll nun auch den Ordnungsämtern gelingen: eine Imagepolitur. Am Montag präsentierten Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und der Tempelhof-Schöneberger Ordnungsstadtrat Oliver Schworck (SPD) eine Kampagne, die dem Ruf der Ordnungsämter als Knöllchenschreiber vom Dienst entgegenwirken soll. Während die Verwaltung offiziell auf mehr Sympathie hofft, besteht intern die Sorge, dass am Ende der Schaden den Nutzen überwiegt. Denn der Charakter der Kampagne steht in auffälligem Kontrast zur Realität, in der die Ordnungsämter ständig in der Kritik stehen. Ob es um Hundekot geht, um glatte Gehwege oder um chronisch zugeparkte Fahrradspuren: Oft wird deutlich, dass die Ordnungsämter es nicht schaffen, für Ordnung zu sorgen.

„Gute Regeln machen Sinn – Wir kümmern uns darum“, lautet das Motto der Kampagne, die bis Ende Juni für mehr Rücksicht im Alltag werben und über die Aufgaben der Ämter informieren soll. Illustrationen zeigen eine heile Kleinstadtwelt. Dass die Wohlfühlszenen in Berlin spielen, signalisieren im Hintergrund aufragende Bauwerke wie Gedächtniskirche oder Fernsehturm. Die Motive werden für Plakate und einen Kinospot verwendet und zieren Faltblätter. Die 60 000 Euro dafür trägt die Innenverwaltung.

Nach Auskunft der Werbeagentur Dauth Kaun stand als Alternative auch eine Kampagne mit Porträts und Statements von Ordnungsamtlern zur Wahl, aber die Verwaltung habe sich für die Illustrationen entschieden. Nach Tagesspiegel-Informationen haben sich auf ein Rundschreiben hin nur etwa zehn der knapp 1200 Mitarbeiter gemeldet.

Müll, Dreck und Vandalismus in Berlin
An die Ampel gestopft. Muss das sein? Nur ein alltägliches Beispiel aus Friedrichshain, wie achtlos Coffee-to-Go-Trinker mit ihren Bechern umgehen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 151Foto: Henning Onken
27.07.2017 09:09An die Ampel gestopft. Muss das sein? Nur ein alltägliches Beispiel aus Friedrichshain, wie achtlos Coffee-to-Go-Trinker mit ihren...

Zwar waren die Bezirksämter involviert, aber nicht alle sind zufrieden. Ein leitender Mitarbeiter eines Ordnungsamtes fürchtet, „dass die Kampagne Erwartungen weckt, die wir aufgrund der schlechten Ausstattung nicht erfüllen können“. Es fehle sowohl an Personal als auch an Ausstattung und Ausbildung. Dieses Problem bestehe schon seit 2004, als die Ordnungsämter viele Aufgaben, darunter die Parkscheinkontrolle, von der Polizei übernommen hätten. Es sei kaum zu vermitteln, dass die Parkscheinkontrolleure nicht befugt seien, andere Verstöße zu ahnden. Zugleich kämen die Kiezstreifen an ihre Grenzen, wenn sie beispielsweise wiederholt gegen nächtlichen Lärm vorgehen müssen: „Früher kam die Polizei – und hat beim dritten Mal die Stereoanlage mitgenommen. Unsere Mitarbeiter dürfen das nicht.“

Ein Ausweg könne ein gezielter Ausbildungsgang samt hoheitlicher Befugnisse für die Ordnungsamtler sein, die bisher in Schulungen angelernt und weitergebildet werden. Vor allem aber sei die Personaldecke für die Fülle der Aufgaben zu dünn – „und es wird eher schlechter als besser“. Auch der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) hält die Ausstattung der Ämter für mangelhaft: Die Zweierstreifen „werden verhauen“, wenn sie beispielsweise gegen aggressive Hundebesitzer in der Hasenheide vorgingen.

Körting kündigte für die nächste Legislaturperiode eine „völlig einheitliche Struktur“ für alle Ordnungsämter an. Als „positive Verstärkung“ bezeichnete Schworck den Charakter der Kampagne: „Die Leute sollen nicht immer mit erhobenem Zeigefinger angesprochen werden.“ Der Reinickendorfer Außendienstler Christian Greiser erlebt nach eigener Auskunft wachsende Akzeptanz: Anfangs sei er oft angepöbelt worden, „aber inzwischen wissen die Leute, dass sie keine Witzfiguren vor sich haben“. Nach seinem Eindruck zeigen die Kontrollen Wirkung – ob bei Hundebesitzern oder Kneipiers. Greiser war einer, der sein Gesicht für die Kampagne zeigen wollte. Er ist jetzt klein auf den Flyern abgebildet.

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