Berlin : Imam mit Magister

Islamunterricht als Studienfach in Berlin?

Johannes Kuhn

Ferid Heider hatte keine Alternative: Um Imam zu werden, musste der Neuköllner irakischer Abstammung zwischenzeitlich auswandern – an einer deutschen Universität konnte er nicht studieren. So ging er nach Kairo an die Eliteuniversität Al Azhar und beendete seine Ausbildung mit einem Fernstudium an einer französischen Privatakademie.

Inzwischen predigt der 27-Jährige in muslimischen Kulturzentren in Neukölln und Wedding. Er freut sich, dass Politiker wie Wolfgang Schäuble fordern, Imame auch in Deutschland auszubilden, denn damit hätten auch junge Berliner Muslime, „die sich ein Auslandsstudium nicht leisten können“, die Chance, Geistliche zu werden. Auch der Präsident der Humboldt-Universität (HU), Christoph Markschies, ist von der Idee angetan: „Es würde Deutschland gut zu Gesicht stehen, hier nicht nur christliche, sondern auch jüdische und muslimische Theologen und Geistliche auszubilden.“ Konkrete Pläne für einen solchen Studiengang gebe es bislang aber nicht.

Im Abgeordnetenhaus sprechen sich alle Fraktionen für eine Imam-Ausbildung in Deutschland aus, die CDU fordert in ihrem Integrationspapier, die islamwissenschaftlichen Studiengänge an Humboldt- und Freier Universität „entsprechend auszubauen“. Doch so einfach ist das nicht: „Es gibt zwar Berührungspunkte zwischen Islamwissenschaft und islamischer Theologie, aber man müsste einen völlig neuen Studiengang aufbauen. Am konsequentesten wäre ein neues Institut oder eine Fakultät“, meint Gudrun Krämer, Leiterin des Instituts für Islamwissenschaften an der FU.

Ein Imam-Studium ist also allerorten willkommen – wäre da nicht das Geld. Die Senatsverwaltung für Wissenschaft und Forschung schätzt, dass schon ein neuer Studiengang 320 000 Euro Anschubfinanzierung benötigen würde. Das könnte keine Berliner Uni mit ihrem Haushalt finanzieren. Vor 2009 geht also nichts, denn bis dahin gelten die Hochschulrahmenverträge. Erst dann werden die Mittel neu verteilt.

Signale müssen jedoch auch von den muslimischen Gemeinden kommen. Denn diese sollen schließlich die Imame in ihrer Moschee akzeptieren. Die meisten unterstützen ein deutsches Imam-Studium, doch ohne gemeinsame Vertretung wird die Diskussion über Inhalte schwierig angesichts der zahlreichen Strömungen und Doktrinen in den muslimischen Gemeinden. HU-Präsident Markschies hofft trotzdem auf die Unterstützung – ähnlich wie die Kirche könnten die Gemeinden die Studiengänge dann mitfinanzieren.

Fraglich bleibt allerdings, ob es genug Interessenten für eine solche akademische Ausbildung geben würde. Seit zwei Jahren bietet die Universität Münster das Studienfach „Islamunterricht“ an. Dort sind momentan gerade einmal 25 Studenten eingeschrieben. Und auch Ferid Heider sagt: „Wer die Möglichkeit hat, wird auch weiterhin versuchen, an eine der islamischen Elite-Unis im Ausland zu kommen. Die haben einfach ein höheres Ansehen.“

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