Imbiss wird abgerissen : „Konnopke“ - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren gab es eine Einigung im Streit um „Konnopke’s Imbiß“: Der Kiosk soll an alter Stelle neu entstehen. Was Christoph Spangenberg damals darüber schrieb.

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Endlich geht es wieder um die Wurst. Erst wollte Ziervogel 100 000 Euro, jetzt muss sie den neuen Kiosk selber zahlen. Im September wird gebaut. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Endlich geht es wieder um die Wurst. Erst wollte Ziervogel 100 000 Euro, jetzt muss sie den neuen Kiosk selber zahlen. Im...

Berlins eigenartiger Currywurst-Streit ist Geschichte: „Konnopke’s Imbiß“ wird im Juli abgerissen und nach der Sanierung des U-Bahn-Viadukts an derselben Stelle neu gebaut. Die Blechhütte von 1960 soll einem modernen Bau aus Glas und Stahl weichen. Darauf einigten sich der Bezirk Pankow und die Inhaberin der Wurstbude an der Schönhauser Allee nahe dem U-Bahnhof Eberswalder Straße. Imbisschefin Waltraud Ziervogel und ihr Team können sich nun wieder aufs Wurst-Brutzeln konzentrieren.

Nach zwei Jahren der Lösungssuche und zuletzt monatelangem Streit – Ziervogel hatte energisch für ihre Bude gekämpft, was dem Stadtrat für öffentliche Ordnung Jens-Holger Kirchner gar böse Briefe von Wurstfans einbrachte – haben sich Kirchner (Grüne) und die 74-jährige Imbisschefin nun angenähert. Über eineinhalb Stunden hatten die finalen Verhandlungen gedauert. „Die Atmosphäre war ausgesprochen sachlich. Es wurden alle Interessen auf den Tisch gelegt und wird sind zu einem Ergebnis gekommen, mit dem alle zufrieden sind. Der für den Bezirk wichtige Imbiss ist jetzt nachhaltig gesichert“, sagte Kirchner. Der wollte die Bude im Zuge der Neugestaltung der Kreuzung Schönhauser Allee, Danziger und Eberswalder Straße ursprünglich 30 Meter nach Norden verlegen. Dort würden nach den Bauarbeiten auch die Passanten entlangströmen.

Ziervogel ist froh, dass sie nicht umziehen muss. Der neue Konnopke soll nun direkt auf den jetzigen Keller gebaut werden. Ziervogel und ihr Sohn Mario bekommen fünf Jahre Nutzungserlaubnis und eine Option auf weitere fünf Jahre.

Die Kosten für Abriss und Entsorgung muss Ziervogel tragen, die BVG schießt 35 000 Euro zum Neubau zu. So viel hätte die Umhüllung des Touristenmagnets während der Bauarbeiten nach neuesten Schätzungen gekostet. Ursprünglich hatte Ziervogel 100 000 Euro von der Stadt Berlin gefordert.

„Das war nur ein Pokerbetrag“, gab Ziervogels Anwalt Ronald Schneehagen nun zu und sagt: „Wir haben alles erreicht, was wir wollten.“ Mit der Entscheidung wäre auch Ziervogels 1986 verstorbener Vater und Imbissgründer Max Konnopke zufrieden gewesen, habe Ziervogel gesagt. Der war 1930 nach Berlin gekommen, um Würste zu verkaufen.

Wie genau der Neubau unter der U-Bahn aussehen wird, ist noch unklar. Drei Entwürfe der Architekten wurden abgelehnt. Begründung: Zu historisch, zu altmodisch oder zu viel Beton. Sicher ist nur, dass der Imbiss aus Stahl und Glas sowie transparent sein und sich historisch der Lage anpassen muss. Das schreibe der Denkmalschutz vor, so Anwalt Schneehagen. Am Dienstag gibt es noch ein Treffen zwischen Architekten und der Denkmalschutzbehörde.

Die Sandstrahlarbeiten am Viadukt der U2 beginnen am 21. Mai, Anfang Juli sollen sie den Bereich um die Konnopke-Bude erreichen. Während der Arbeiten wird Ziervogel einen provisorischen Imbiss auf der Mittelinsel gegenüber mieten müssen. Spätestens im September soll dann mit dem Neubau begonnen werden. Der muss erst beweisen, ob er den bisherigen Kultstatus erhalten kann. Oder ob so mancher Berlin-Reiseführer umgeschrieben werden muss. Christoph Spangenberg

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren".

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