IM INTERVIEW : „Wir brauchen klare Mehrheiten“

Herr Schweitzer, sind Sie zufrieden mit dem Wahlergebnis?

Gut und wichtig ist, dass wir klare Mehrheiten bekommen, es wird zu einer Zwei-Parteien-Regierung kommen.

Bei einer Veranstaltung mit 400 Unternehmern hatte die CDU vor wenigen Tagen in einer Saalumfrage weit vorn gelegen und die FDP bei sechs Prozent. Tickt die Wirtschaft anders als die Mehrheit?

Bei Unternehmern ist die Bürgerlichkeit stärker als sehr alternative Lebensformen. Die Abstimmung war aber nur eine Momentaufnahme. Der IHK geht es vor allem um die Schaffung dringend benötigter Arbeitsplätze.

Als möglicher neuer Wirtschaftssenator gilt der grüne Fraktionschef Volker Ratzmann. Wäre das in Ihrem Sinne?

Sollten sich die Parteien auf Rot-Grün einigen und sollte Herr Ratzmann Wirtschaftssenator werden, können wir mit ihm sehr gut leben.

Von den Grünen heißt es, der Motor von Innovation seien „nicht die alten industriellen Kerne“. Aber gerade die Industrie wollte Berlin doch wieder stärken.

In Berlin ist es seit zwei, drei Jahren Common Sense, dass die Industrie die Mutter der Wirtschaft ist. Wir haben zirka 100 000 Industriearbeitsplätze und bräuchten das Doppelte. Wir werden aber Daimler oder Siemens nicht davon überzeugen, Werke nach Berlin zu verlagern. Wir müssen auf Neues setzen, so zum Beispiel die Green Economy, aber auch die bestehende Industrie pflegen. Der Ansatz der Grünen ist der richtige, aber nicht der alleinige.

Die Grünen wollen Institutionen wie Berlin Partner, die Technologiestiftung TSB, die Investitionsbank und Visit Berlin „auf den Prüfstand stellen“ und „Doppelstrukturen vermeiden“. Zu Recht?

Es gibt seit längerem den Vorschlag der IHK, Berlin Partner und die TSB zusammenzuführen - das steht auch im Wahlprogramm der SPD. Die TSB ist ja verantwortlich dafür, wissenschaftliche Exzellenz in Wertschöpfung umzusetzen, und Berlin Partner dafür, entsprechende Ansiedlungen zu generieren.

Wie sehen Sie den Erfolg der Piraten?

Damit habe ich nicht gerechnet. Man muss sehen, wie sich die Partei im Abgeordnetenhaus macht. Tägliche Politik ist etwas anderes als Wahlkampf – und übers freie Internet wird nicht unbedingt von der Stadt Berlin entschieden.

Das Gespräch führte Cay Dobberke

Eric Schweitzer (45) ist Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin und Vorstand der auf Recycling spezialisierten Unternehmensgruppe Alba.

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