Berlin : Imke & Henrik Schütz

Andreas Oswald

"Es war Liebe auf den langen zweiten Blick", sagt Imke Schütz (30), geborene Kabbert. "Wir sind ein richtiges Unipärchen." Ihren heutigen Mann Henrik (33) lernte sie vor fast fünf Jahren kennen, im Hörsaal während des BWL-Studiums. Doch damals hatte sie noch eine Beziehung zu einem anderen Partner. So erzählten sich die beiden ihre Sorgen, tauschten sich aus und kamen sich auf diese Weise näher. Briefchen wurden während der Univeranstaltungen hin- und hergeschoben und da hat es dann plötzlich gefunkt.

Oft lernten sie zusammen und als er eines Tages eine Flasche Rotwein aufmachte und eine Kerze anzündete, sind sie sich auf der Couch näher gerückt. "Eigentlich trinke ich gar keinen Alkohol", sagte Imke, "aber ihm zuliebe habe ich mir ein Glas eingeschenkt". 1997 sind sie zusammengezogen und versprachen sich die Treue. Beide sind geborene Berliner, aber ein klein wenig scheinen die Temperamente der beiden verschieden zu sein. Er ist ein ruhiger Typ, sie ist quirliger. Auch was die Anbahnung der Beziehung anging, übernahm sie die Initiative. Er war eher zurückhaltend. Am Ende hat er sich hundertprozentig für seine jetzige Frau entschieden.

Sie erzählt Besuchern bunt und farbenreich aus ihrem Leben, und wenn sie einschenkt, dann immer bis zum Glasrand. "Eine kleine Marotte", lacht sie. Genauso wie ihre Angewohnheit, die Wohnung nie abzuschließen. Trotz eines Einbruchs in der Eigentumswohnung in Zehlendorf fällt es ihr schwer, diese alte Gewohnheit abzulegen. Viel in der Welt herumgekommen ist sie. Sie bereiste West-und Südeuropa, Skandinavien, Mittel- und Südamerika, die Karibik und die Malediven. Sie taucht gerne, ein Hobby, das ihr Mann ganz mit dem gleichen Eifer teilt. Sie liebt die Meerestiefe, beobachtet die Delfine und die Rochen und die Korallen. 32 Meter tief war sie schon unten, Henrik brachte es auf 37 Meter. Imke reist nicht nur gerne, sie fährt auch gerne mit dem Auto, vor allem schnell. Rasanz gehört zu ihrem Leben und das auch auf der Autobahn. Freunde haben eine Hochzeitszeitung für das Paar herausgegeben. Darin ist eine veränderte Straßenverkehrsordnung abgedruckt, in der andere Verkehrsteilnehmer angehalten werden, Platz zu machen, wenn Imke kommt. Dass andere sie überholen, scheint eher selten der Fall zu sein, glaubt man den Erzählungen. Von einer weiteren Gewohnheit erzählt Imke gerne. Sie handelt gerne Preise herunter. Das tat sie schon lange, bevor das Rabattgesetz abgeschafft wurde. Bei jeder größeren Anschaffung feilscht sie. Dabei ist sie hart im Nehmen. Ihr Mann wendet sich meistens ab, weil er nicht so hartnäckig und konsequent ist. Am Ende geht die Frau immer als Siegerin hervor. Sogar beim Brautkleid war sie gegenüber dem Verkäufer erfolgreich. Laut Hochzeitszeitung wurde das Rabattgesetz einst eingeführt, um den Einzelhandel vor Imke zu schützen.

Bei der Hochzeit in der Kirche am Stölpchensee in Wannsee versuchten drei Freundinnen, den Brautstrauß zu fangen. Eine brach sich dabei einen Fingernagel ab. Das Glück kennt eben viele Widerstände. Manchmal kommt es aber auch einfach daher, wenn es nicht geplant ist. Und manchmal gibt das Schicksal einen kleinen Wink: Als das Brautpaar die Kirche verließ, schwamm ein Schwan vorbei. Das ist ein gutes Zeichen. Schwäne sind treu. Ihr ganzes Leben lang.

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