Berlin : Immer am Hang entlang

Auf dem Mountainbike durch den Grunewald: Mehrdad Wieske führt Berliner und Touristen durch die Natur

Annette Kögel

DA KOMMT WAS INS ROLLEN: MOUNTAINBIKEN UND INLINESKATEN IN BERLIN

Wie lästig, diese Radfahrer-Bremsgitter auf dem Gehweg. Meist steigen Zweiradfahrer ab oder winden sich langsam wie eine Schlange durch die quer stehenden Absperrungen. Mehrdad Wieske macht das anders. Der Mountainbike-Lehrer rollt langsam an, zieht das Rad mit den Füßen hoch – und springt einfach zur Seite auf eine Betonbrüstung. Dann nur noch einen Satz hinunter, und weiter geht die Radtour auf konventionelle Weise. Okay, schon überzeugt, der Mann kann das.

So demonstrativ wie an der Hasensprungbrücke in Grunewald strampelt der Geländefahrer aber selten durch die Stadt. Denn Wieske hat sich als Rad-Führer umweltverträglichem Mountainbiken verschrieben. Jeden Sonntag lädt er Berliner und Touristen zu so genannten Freeride-Fahrten in den Süden der Stadt. Eigentlich macht sich Wieske mit diesen Gratis-Touren nur warm. Sonst radelt der 43-Jährige nämlich Berlin-Paris querbeet in vier Tagen. Oder legt bei der „Adidas Transalp Challenge“ während der Bergetappen rund 20 000 Höhenmeter zurück. In Berlin genügt unsereins schon der Havelhöhenweg. Hügelauf, hügelab.

Dabei fährt es sich mit dem Miet-Fahrrad wie auf Moos – das Bike ist voll gefedert. Brav buckelt es über dicke Wurzeln. Und wenn sich doch einmal ein gefällter Stamm oder ein Findling in den Weg legt, zieht man einfach die Scheibenbremse. Die Hightechkonstruktion unterm Hintern ist fast so viel wert wie ein kleiner Gebrauchtwagen.

Wieske liebt es, hier draußen zu sein. Im Winter hat er sich schon den Wecker gestellt, um bei Mondlicht über gefrorene Reitwege zu rumpeln. Crosscountry, Laufen, Schwimmen, Basketball – kaum eine Sportart, die der im Iran geborene Wilmersdorfer mit deutscher Staatsbürgerschaft nicht schon betrieben hätte. „Aber seitdem ich mit Dreißig zum ersten Mal ein Bein übers Rad geschwungen habe, ist es um mich geschehen.“ Wieske hat früher Naturtouren in den USA, in Kanada und in Australien veranstaltet – und jetzt führt er auch Fortgeschrittene durch die Forsten im Urstromtal. „Ich kenne Gegenden im Berliner Wald, die hat noch kein Förster gesehen“, meint Mehrdad. Wo Rehe äsen, Wildschweine wühlen, sich Blindschleichen entlang schlängeln.

Forstleute haben wegen der Hitze Wasserkanister an den Zaun gestellt, damit sich die Spaziergänger erfrischen können. Danke, Pause. So lobt sich der Biker die Berliner. Denn er vermisst in der Stadt einen gewissen Umgangston. „Berlin ist die erste Stadt, in der ein Mountainbiker meinen Gruß nicht erwidert hat.“ In keiner anderen Metropole habe er so viele coole, konkurrenzorientierte Radler getroffen. „Deswegen will ich mit den Touren auch das Miteinander auf Wegen und Straßen fördern.“ Warum können die Leute denn beim Überholen nicht mal „Achtung“ oder „Entschuldigung“ rufen?

„Müssen die denn überall langfahren?“ Der Zwischenruf kam von zwei Spaziergängern. Solche Reaktionen sind Wieske nicht fremd. Doch mit den Behörden, mit Forstamt und Polizei habe der Tourguide keine Probleme, versichert er. Letztens organisierte er erst den Crosscountry-Event der Berliner Polizei. Dass Forstleute manchmal von Radlern festfahrene Wege auflockern, damit sie keiner mehr benutzen kann, ärgert ihn. „Wenn es regnet, erodiert dann das Gelände. Als ob das weniger schädlich ist.“ Seine Tourteilnehmer halte er jedenfalls an, nicht rücksichtslos durchs Unterholz zu strampeln.

Sieht man doch auch am Wegesrand frisches Farn, Lichtspiele auf der Lichtung. Der Duft von Kiefern steigt in der Nase. Der Mann lehnt sich wie bei einem Tanz auf seinem Rad nach links und rechts, balanciert über einen Stamm, hüpft auf der Stelle. Eben immer auf dem Sprung.

Für die „Coffee and Sugar MTB-Freeride Tours“ muss man sich anmelden beim Fahrradladen „Bike Tec Service“, Mecklenburgische Straße 16, 10713 Berlin, Tel. 89746280. Start zu den zwei- bis vierstündigen Fahrten mit Kaffeepause an der Glienicker Brücke ist sonntags um 12 Uhr am Laden.

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