Berlin : „Immer auf die armen Döner-Wirte“

Suzan Gülfirat

Die Gammelfleischaffäre in Berlin schaffte es am Sonntag auf die Titelseite der „Hürriyet“, allerdings mit einem etwas anderen Tenor: „Vergammeltes Putenfleisch wird als Vorwand benutzt, um Döner in Verruf zu bringen“, hieß es in der Überschrift. Türkische Geschäftsleute seien verärgert, weil die deutsche Presse zu den Artikeln über das vergammelte Putenfleisch immer wieder Dönerspieße zeige. Um diese Ungerechtigkeit zu untermauern, präsentierte das Blatt ein Foto des Berliner Dönerherstellers Remzi Kaplan und zitierte ihn mit den Worten: „90 Prozent der Dönerverkäufer benutzen kein Putenfleisch.“

Die „Hürriyet“ sieht sich offenbar um ihren Lohn gebracht. Denn seit zwei Wochen läuft in der Zeitung eine Kampagne zur Rettung der Döner-Branche. Seitdem wird täglich in der „Hürriyet“ gefragt: „Wohin steuert der Dönersektor?“ Dönerproduzenten und Imbissladenbesitzer aus Deutschland kommen in der Serie zu Wort und unterbreiten immer wieder neue Vorschläge, wie die Zukunft der Branche gesichert werden kann. Ein Döner-Hersteller aus Fürth kam beispielsweise auf die Idee, eine eigene Döner-Industriekammer zu gründen.

Und nun das. „Immer zahlen die Dönerleute die Zeche“, klagte Fleischspieß-Experten Kaplan in der Hürriyet-Europa-Beilage. Und dann wollten auch noch die Verbrecher der Branche Übles: „Vierter Überfall auf türkischen Dönerimbiss“, hieß es in der „Hürriyet“ am Sonntag. Sie druckte Bilder vom PDS-Abgeordneten Giyasettin Sayan, der die Brüder Resit und Mehmet Özer besuchte. Sie hatten zwei Neonazis mit der Axt in die Flucht schlagen müssen. „Jetzt kommen die Deutschen extra hierher, um Döner zu essen“, erzählten die Brüder der Hürriyet. Und ein Nachbar hätte Blumen vorbeigebracht. „Die Unterstützung der deutschen Anwohner gibt uns die Kraft, weiterzumachen“, sagten sie.

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