Berlin : Immer auf die Pubertisten

Tagesspiegel-Redakteur Helmut Schümann las aus seinem Buch beim Abend „Zeitung im Salon“

Juliane Schäuble

Eltern haben’s nicht leicht. Vor allem nicht, wenn die gerade eben noch klein und lieb gewesenen Kinder sich scheinbar über Nacht in unbekannte Wesen verwandeln. Vollständige Sätze, aufgeräumte Zimmer oder gar ein Dankeschön – alles Fehlanzeige. Aus den lieben Kleinen sind Pubertisten geworden, denen eigentlich alles egal ist – außer was ihnen wichtig ist.

Tagesspiegel-Redakteur Helmut Schümann hat die Hormonattacken seines pubertierenden Sohns Paul alias Julius Paul Wolf durchlitten – wohl auch, weil er über die Erlebnisse in seinen Kolumnen berichten konnte. Am Mittwochabend lasen die beiden gemeinsam aus Schümanns Buch „Der Pubertist. Überlebens-Handbuch für Eltern“ (Rowohlt), unter Moderation des ebenfalls kindgeprüften Harald Martenstein. Anlass war die Tagesspiegel- Reihe „Zeitung im Salon“ im traditionsreichen Meistersaal am Potsdamer Platz .

Bei Geschichten über Luise, mit der Paul seit einiger Zeit innig, nein sehr innig ist, den lustigen Lukas und den großen Konrad, über die berühmt-berüchtigte Suche nach einem „berufsorientierten Praktikum“ oder die Frage, wer wohl das ständig klingelnde Telefon beantwortet, steuerte Paul immer wieder seine Originalkommentare „Nö, mhmngmanney“ und „oh Mann“ sowie den unverwechselbaren Pubertistenblick bei. Der geht nach oben und sagt alles. So manch einer der etwa 170 Zuhörer fühlte sich bei den Anekdoten an den täglichen Kampf mit den eigenen Pubertisten erinnert: zustimmendes Nicken und immer wieder schallendes Gelächter an den langen Tischen. Und bei der anschließenden Fragerunde dankte ein Vater Helmut Schümann für dessen Kolumnen: „Sie haben uns geholfen, diese Zeit durchzustehen.“ Besonders gut nachfühlen konnte auch Anja Otto-Gillmeister. Die Tagesmutter aus Wittenau mit zwei Söhnen im gefährlichen Alter von 13 und 15 Jahren kennt den unstillbaren Hunger von Heranwachsenden: „Jeden Morgen schmiere ich 15 Scheiben Brot für meinen Ältesten und hoffe, dass es bis mittags reicht.“ Um den Hunger der Gäste zu stillen, servierten die literarischen Köche von eßkultur das Passende zum Buch: Das Original-Pubertisten-Menü besteht aus Salat mit Putenbrust, Nudeln mit Sugo und Erdbeeren – Essen, das auch Eltern schmeckt. Denn manchmal sind die Geschmäcker gar nicht so unterschiedlich. Genauso wie in der Musik: Vor und nach der Lesung spielte Jazzpianist Matthias Klünder Jazz und Reggae. Damit kann auch Paul ganz gut leben.

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