Berlin : Immer besser

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies über die hinterletzte Finanzspritze fürs Tempodrom

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, da schickte sich der Senat an, die wirklich, garantiert und absolut allerallerletzte Million im desaströsen Tempodrom zu versenken. Stadtkenner ahnten: Es handelte sich um die gleiche Argumentationstechnik, mit der missratene Söhne ihre Eltern auch um den letzten Spargroschen erleichtern. Nur noch dieses eine Mal! Bittebitte!

Nun kommt heraus, dass die betonierte Braut für die Hochzeit mit dem letzten verbliebenen Käufer doch noch ein wenig hübsch gemacht werden muss: Macht weitere zehn Millionen, um einen Kredit ablösen und das missratene Monster dann für schlanke 2,5 Millionen verkaufen zu können. Hatte da jemand die irrwitzige Hoffnung, dem Käufer auch noch diesen Kredit aufhalsen zu können? Oder hat man ihn einfach nur verdrängt, um nicht alles auf einmal offenbaren zu müssen? Ach. Von Skandal war im Zusammenhang mit dem Tempodrom schon so oft die Rede, dass man das Wort einfach nicht mehr hinschreiben mag. Inzwischen taugt das Ding wirklich nur noch als Mahnmal des unbekannten Steuerzahlers.

Die letzte Hoffnung ruht auf einem so genannten „Besserungsschein“, der den Erwerber verpflichtet, nachträglich draufzuzahlen, falls das Geschäft unerwartet brummen sollte. Ein schönes Wort! In einem Jahr etwa werden wir vermutlich hören, dass es auch noch einen Schlechterungsschein gab, der für den Fall schlechten Geschäftsgangs kleine Zuschüsse aus der Landeskasse… Ganz Berlin ist derzeit eine Art Besserungsanstalt. Mit denkbar schlechten Aussichten.

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