Berlin : Immer der Melone hinterher

Hommage an Chaplin: Ein Vexierspiel aus Film und Theater im Admiralspalast

Katja Gartz

Wieder einmal sitzt Charlie Chaplin in einer alten Hütte beim Essen, setzt die berühmte Melone ab, die prompt wegrollt und rollt und rollt – bis sie schließlich aus dem Film herausfällt und, eben noch oben auf der Leinwand, mitten auf der Bühne des Admiralspalasts landet. Überrascht blickt der Tramp, gespielt von Joseph Sternweiler, dem Hut nach, und schon fällt er selbst ebenfalls aus der Scheinwelt des Films in die Wirklichkeit des Theaters – Beginn zu einem unterhaltsamen Vexierspiel zwischen den Ebenen der Fiktion. Auch der Filmvorführer und Stummfilmpianist (Dietrich Bartsch) spielt darin eine verwirrende Rolle, dies umso mehr, als er zugleich der verschwundene Vater der geliebten Nora zu sein scheint, die Charlie schon eine ganze Weile sucht.

„Verrückte Zeiten“ heißt die neue Produktion der Drehbühne Berlin, die heute im Admiralspalast Premiere hat. Natürlich ist der Titel eine Hommage an Chaplins Film „Moderne Zeiten“, wie schon die Eingangsszene an „Goldrausch“ erinnert. Und wenn Charlie zum ersten Mal aus dem Film tritt, Start zu einer verwickelten Geschichte um Liebe, Verfolgungsjagden im Slapstickstil, den Weg aus der Leinwand und zurück, wird passionierten Kinogängern vielleicht sogar Woody Allens „The Purple Rose of Cairo“ einfallen.

Eigentlich schlägt das Herz des Regisseurs Lorenz Christian Köhler fürs Theater. „Aber die Idee, Bühne und Film zu verbinden, hat mich schon immer fasziniert“, sagt er. Die erste Idee für die neue Produktion entstand während der Inszenierung von Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“, mit der die Drehbühne bundesweit erfolgreich war. „Diesmal steht der Film im Vordergrund“, sagt Köhler. Ein Stummfilm, um genau zu sein, inspiriert durch die Ästhetik des Originals. Gedreht wurde im Herbst in Berlin und Thüringen.

Als Hauptfigur für ihren Theater-Stummfilmabend konnten sich Köhler und Partnerin Nanda Ben Chaabane niemand anderen vorstellen als Chaplin. Und als dessen Darsteller war Joseph Sternweiler erste Wahl, der sich seit 15 Jahren mit dem Tramp beschäftigt. Charlie Chaplin hat sich bereits so weit in sein Leben geschlichen, dass der Pantomime und Comedy-Künstler in Träumen mit ihm zu Hause am Tisch sitzt.

Nach „Der Kleine Prinz“ und der ebenfalls erfolgreichen Inszenierung von Klaus Kordons „Krokodil im Nacken“, die vor zwei Jahren am Originalschauplatz, dem ehemaligen Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen, Premiere feierte, hat die Drehbühne bereits neue Pläne: In der nächsten Produktion der 2004 gegründeten Company soll es um nichts weniger als die Geschichte des geteilten Deutschlands gehen. Buch und Regie für „Mauerland“ sind bereits fertig, noch hapert es an der Finanzierung. Katja Gartz

Die Premiere von „Verrückte Zeiten - Eine Hommage an Charlie Chaplin“ beginnt heute um 19.30 Uhr in der Studiobühne des Admiralspalasts. Die Karten kosten zwischen 15 und 21 Euro. Weitere Informationen unter der Telefonnummer 47 99 74 99 oder im Internet unter www.admiralspalast.de.

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