Berlin : Immer der Nase nach

Einen Tag nach der Münchener Welturaufführung feiert Tom Tykwers „Das Parfum“ im Cinestar seine Premiere

Andreas Conrad

München leuchtet, so sagt man, aber das Besondere an Berlin ist nun mal die Luft, Luft, Luft, so mit ihrem holden Duft, Duft, Duft. Daher mag die Weltpremiere der Süskind-Verfilmung „Das Parfum“ zwar schon am Donnerstagabend in der Isar-Metropole, Heimstatt des Produzenten Bernd Eichinger, stattgefunden haben, die Premiere der Nasen ist doch hier, an diesem Freitagabend im Cinestar am Potsdamer Platz, mit rotem Teppich unterm Sony-Zelt und Filmvorführung im Kellerkino. Beides Orte mit kaum ausgeprägtem olfaktorischem Charakter, mehr Stätten des Sehens und Gesehenwerdens, und so war davon auszugehen, dass sich auch an diesem Spätsommerabend die Schaulustigen die Hälse verrenken würden, um einen Blick auf die Prominenten zu ergattern.Vorneweg die Künstler um Bernd Eichinger und Regisseur Tom Tykwer, der seinen ersten beruflichen Kontakt zum Filmbusiness vor langen Jahren im Kreuzberger Moviemento-Kino hatte: Hauptdarsteller Ben Whishaw, Alan Rickman und Rachel Hurd-Wood, Karoline Herfurth, Jessica Schwarz und Corinna Harfouch, sowie nicht zuletzt Sir Simon Rattle als Dirigent der Berliner Philharmoniker, die die Filmmusik einspielten.

Auf der Gästeliste reichten die Namen von Mariella Ahrens über Helmut Dietl, Katja Flint, Sandra Maischberger und Jim Rakete bis zu Claudia Roth, Katharina Witt und den Girls von Tic Tac Toe. Und das alles wegen einer Nase. Immerhin der „besten Nase von Paris“, wie Jean-Baptiste Grenouille alias Ben Whishaw sich im Film rühmt. Auf sein wohlgeformtes Riechorgan fällt zu Beginn des Films das erste Licht, jeder Zuschauer, auch wenn er Patrick Süskinds Roman wider Erwarten noch nicht gelesen hat, soll gleich wissen, um welchen der sechs Sinne es hier vor allem geht. Klar, dass den Darstellern daher gerne Fragen gestellt werden, wie es auf dem Set denn so roch oder ob sie denn auch in der Wirklichkeit mit überdurchschnittlichem Geruchssinn ausgestattet seien. Ben Whishaw, so verbreitet es zumindest der Filmverleih Constantin, bekam den Duft einer gewissen Nicole nicht mehr aus der Nase. Sie habe auf dem Set die Filmklappe bedient, lässt man ihn sagen. „Sie benutzte ein bestimmtes Parfum, das mir jedes Mal in die Nase kam, wenn sie zu Beginn einer Einstellung kurz vor mir stand. Falls ich dieses Parfum je wieder riechen sollte, werden mir die Erlebnisse am Set im Sommer 2005 bestimmt in Erinnerung gerufen.“

Bislang hatte sich der 25-jährige Brite Ben Whishaw dem breiten Publikum noch nicht ins Gedächtnis gebrannt. Er debütierte 1999 mit Nebenrollen in zwei Filmen, absolvierte eine Ausbildung an der Royal Academy of Dramatic Art, an der schon Filmpartner Alan Rickman die Schauspielerei gelernt hatte. Einige Hauptrollen folgten, im Vorjahr mimte er in der Biobic „Stoned“ Keith Richards. Auch auf der Bühne stand Whishaw wiederholt, dort, im Old Vic Theatre als Hamlet, hatte Tom Tykwer ihn entdeckt. Den Regisseur sieht er charakterlich gar nicht so weit von seinem frauenmordenden Parfümeur Grenouille entfernt: „Tom ging auf ähnlich fanatische Art zu Werke wie Grenouille. Er ist sehr besessen von seiner künstlerischen Arbeit, im besten Sinne auch ein wenig verrückt.“ Zum Glück ging Tykwer dabei nicht über Leichen.

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