Berlin : Immer größer

Vor dem Stones-Konzert tobt im Stadion eine Materialschlacht

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Der Zungenschlag ist unverkennbar rheinisch, die musikalische Neigung schon am „Bridges to Babylon“T-Shirt zu erkennen: ein Pärchen zweier Stones-Fans, keine Frage, die es schon am Vortag des Konzerts ans Olympiastadions verschlagen hat. Fast wie bestellt für die Reporter, die einen Blick auf die gerade entstehenden Bühnenbauten im Stadionrund werfen dürfen und dankbar sind für jeden zusätzlichen O-Ton.

Geballte Stones-Erfahrung wird wieder und wieder in die Mikrophone diktiert, 23 miterlebte Konzerte hat sie, eines weniger er zu bieten. Aber keines sei wie das andere. Immer gebe es einen festen Song-Block, dann werde variiert. Und in Oberhausen, wo sie gerade waren, kamen dann auch noch die beiden Gitarristen der Vorgruppe AC/DC auf die Bühne. Was für ein Glück also, dass die Termine der Europa-Tour gerade in den Jahresurlaub fielen.

An solches Vergnügen kann Jake Berry vorerst nicht denken. Die Tourneemaschine mit drei durch Europa vagabundierenden Bühnen rattert auf Hochtouren, und er ist nun mal der Production Manager der Stones. Also in diesem Moment Leiter einer Großbaustelle. Größer und besser geht es nicht, hat er bei der letzter Tournee gesagt – ein Irrtum: „Diese Tour ist größer und besser.“ Mit einer 54 Meter breiten, 26 Meter tiefen und 25 Meter hohen Hauptbühne, die an der noch unfertigen Stadionsüdseite hochgezogen wird. Und einer kleinen Nebenbühne mitten im Getümmel. Mit einer 252 000- Watt-Anlage, Hunderten von diesen und Dutzenden von jenen Scheinwerfern, Blitzlichtern, Verfolgern. Einer Batterie von Generatoren, genug, um vier Wohnblocks zu illuminieren, und über acht Kilometern Kabel. 53 Lastwagen werden benötigt, um alles zu transportieren, und 265 Bühnenarbeiter, Sound- und Lichttechniker, um die Steine zum Klingen zu bringen.

Die wollten angeblich gestern Abend mit ihrem Privatjet eintreffen, waren zuvor in Oberhausen. Wo sie wohnen, will der gute Jake angeblich nicht wissen. Die Spekulationen in der Stadt reichen vom Westin Grand in der Friedrich- bis zum Four Seasons in der Charlottenstraße. Möglich, dass für Mick Jagger, der Nachmittagsschläfchen schätzt, wieder wie in München die Fenster verdunkelt und mit Tesaband verklebt werden müssen. Das wäre immerhin ein Zeichen. ac/wih

Das Konzert beginnt heute um 19 Uhr mit den Cranberries. Die Stones kommen gegen 20.30 Uhr auf die Bühne. Es gibt noch Karten.

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