Berlin : „Immer lauter, heftiger, härter und respektloser“

Was unsere Leser zum Thema zu sagen haben

Wolfgang Christen

Danke für diesen Artikel! Um ehrlich zu sein, fahre ich sehr viel lieber Fahrrad oder Auto, als vor ähnlichen Gewissensentscheidungen in der S-Bahn zu stehen, Angetrunkene, rechte Parolen, puh, es ist anstrengend, nicht wegzuschauen! Und so gehe ich lieber den bequemeren Weg (natürlich auch noch aus anderen, rein praktischen Gründen). Um nun aber Ihre Frage zu beantworten: Warum nicht dem Busfahrer Bescheid geben? Oder aber das Mobilfon.

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Das ganze Rumgefasel von Integration und Multikulti ist völliger Unsinn. Solche Menschen ziehen Deutschland runter und bringen es nicht voran. Diese unverschämte Aggressivität der jungen Araber hängt allen Berlinern zum Halse raus. Ach ja, ich bin übrigens kein Nazi und stehe dieser Ideologie sehr fern.

Bernd Wegner, Treptow

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Die Jugendlichen rebellieren, lautstark, krass. Das ist nicht neu. Aber der Stil ist neu, mit dem Aufmerksamkeit eingefordert wird. Immer lauter, heftiger, härter und respektloser. Nach dem oft einzigen Vorbild, das da ist: die virtuelle Medienwelt. Da knallt es auch – aber ohne jede reale und spürbare Konsequenz: „happy slapping“ eben.

Damals wie heute gibt es nur einen Weg, die Situation nicht eskalieren zu lassen, wenn es zur Konfrontation kommt: das Gespräch. Kein Vorwurf, kein Hinweis, keine Knigge-Rhetorik hat Eskalation je verhindert. Zugegeben braucht das Zeit, Mut und ein gutes Gefühl fürs Risiko. Im Vorbeigehen ist das nicht zu machen. Das weiß ich aus Neukölln. Und Kriminologen wissen, dass spontane Gewalt im anonymen Konflikt eher leichtes Spiel hat. Haben sich aber die Beteiligten nach ein paar Worten in die Augen geschaut, ist die Hemmschwelle größer und mehr Raum für Respekt. Dann bleiben die Füße zwar meist oben im Bus – die Fäuste aber sicher unten. Das funktioniert so auch hier in Neukölln. Voll krass, aber wahr. Andrea Ramsteck, Neukölln

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Diese Situation habe ich schon oft erlebt. Ich schaue nicht weg, obwohl meine Familie mich bittet, doch lieber den Mund zu halten und das Abteil zu wechseln. Ich habe schon böse Anpöbelungen erlebt, gerade von türkischen-arabischen Jugendlichen. Oft werde ich auch nur verständnislos, aber auch herausfordernd angesehen. Es gibt aber nicht nur Jugendliche, die ihre Füße auf die Sitzflächen stellen, nein, auch Erwachsene üben sich im schlechten Vorbild. Leider ist da noch die schweigende Mehrheit der Mitreisenden! Es ist die Abwesenheit von Zivilcourage und die mangelnde Einsicht, angemessenes Verhalten einzufordern. Ich werde jedenfalls meinen Mund nicht halten, nicht wegsehen und auch nicht weghören. M.K.

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Ihr Kollege Nowakowski hat sich ganz normal verhalten. In heutiger Zeit ist das leider schon lobenswert. (Übrigens wäre es noch besser gewesen, den Busfahrer auf den Vorfall anzusprechen; als Kapitän an Bord hätte er den Bus anhalten und die Polizei rufen können.) Gäbe es weniger solche Frechlinge, wenn es mehr Nowakowskis gäbe? Ich fürchte nein. Es fehlt nämlich an der Sanktion. Bestraft wird, was bequem zu verfolgen ist. Wer pöbelt und dreckt, riskiert nichts. Wer aber etwa einen Hund frei laufen lässt, riskiert 25 Euro. Chr. Müller-Holtz, Moabit

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Herzlichen Dank für die Eröffnung des Forums. In der Situation würde ich mich nach Unterstützung umsehen, dann die Bitte äußern, die Schuhe von den Sitzen zu nehmen, im weiteren Verlauf den Busfahrer ansprechen und die Polizei informieren. Klaus Neuber

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Es ist die Zivilcourage, an der es in dieser Stadt mangelt. Die meisten Menschen hätten weggeguckt und den Mund gehalten. Ihre geschilderte Situation hätte auch anders ausgehen können, dessen sollte man sich auch bewusst sein, wenn man den Mund aufmacht. Doch stillhalten und den zunehmenden Terror durch ausländische Jugendliche einfach hinnehmen? Nie und nimmer! Wir alle sollten den Mund aufmachen in der von Ihnen geschilderten Situation. Ich glaube, wir kommen mit unserer liberalen Haltung in dem von Ihnen geschilderten Fall nicht weiter. Solche Dinge passieren unzählige Male in unserer Stadt. Auf eine Aktion muss sofort die Reaktion folgen. Diese ausländischen Jugendlichen bzw. jungen Deutschen mit Migrantenhintergrund, wie es so schön heißt, verachten uns und unsere Kultur. Sie sollten endlich merken, dass wir uns wehren und ihr Verhalten nicht länger tolerieren.

Die Mehrheit der Menschen aus meinem Umfeld, sei es privat oder beruflich, denkt ähnlich wie ich. Das Traurige ist nur, dass die wenigsten auch handeln. Andreas Ziegler, Neukölln

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Zweckmäßig wäre, derartige Beobachtungen diskret dem Busfahrer mitzuteilen. Dieser könnte sodann eine angemessene Fahrscheinkontrolle anfordern, denn sehr oft haben Jugendliche, die durch das geschilderte „Sozialverhalten“ auffallen, keinen gültigen Fahrausweis. Wichtig ist freilich, dass in diesen und schlimmeren Fällen empfindliche Sanktionen verhängt werden. Dahinter verbirgt sich übrigens keine Ausländerfeindlichkeit. Prof. Thomas Cirsovius, Kreuzberg

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